DUWN – Osteuropa aus der Sicht deutscher Unternehmer

Obwohl in Budapest, Prag und Warschau im Moment Nationalisten regieren, erfreuen sich deutsche Firmen an dem wirtschaftsfreundlichen Kurs dieser sogenannten Europafeinde und schätzen diese Standorte. Die Erfahrungen der meisten Unternehmer sind überaus positiv und stehen konträr zu den Geschichten aus Osteuropa die in jüngster Zeit in Deutschland zu hören sind. Diese klingen meistens einheitlich nach Rechtspopulismus, Nationalismus und Europafeindlichkeit. Sie erzählen von der Abschaffung der Pressefreiheit, Abbau der Rechtstaatlichkeit. Fremdenfeindlichkeit und Grenzzäunen. Die Visegrad-Staaten scheinen drei Jahrzehnte nach der Wende vergessen zu haben wofür die Europäische Union steht.
Schurken im Osten, vorzeige Demokraten im Westen also? Fragt man deutsche Manager und Unternehmer im Osten, ist das so nicht ganz korrekt. Viele lehnen die aus dem Westen kommenden Belehrungen ab, blicken dabei mehr auf Bilanzen als auf Kennziffern der Demokratie. Denn die Geschäfte im Osten laufen bestens. Die Qualität der Arbeit sowie der Produkte stieg in den letzten Jahren stetig, vor allem durch hohe Investitionen in Bildung, Digitalisierung und Infrastruktur. Bemängelt werden lediglich die Erhöhung von Lohnabgaben sowie der allgemein herrschende Arbeitskräftemangel. Die Stimmung in den meisten Ländern des Ostens ist jedoch gut, es herrscht Optimismus: 95 Prozent der deutschen Unternehmen in Ungarn sind beispielsweise sehr zufrieden. Orbán hat den Haushalt saniert, Wirtschaftlich steht Ungarn mittlerweile wieder gut da, das funktioniert und führt zur Stabilität und Wachstum.
Die negative Presse täuscht also oft. Denn über Erfolge in der Wirtschaft wird selten gesprochen. Während für Unternehmer die vollen Auftragsbücher und die gute Wirtschaftslage wichtig sind, geht es bei Politikern vor allem um die europäischen Werte. Dabei verzeichnet zum Beispiel Tschechien eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Europa und mehr als vier Prozent Wirtschaftswachstum.

Vor allem der deutsche Mittelstand fühlt sich in Osteuropa wohl. Sie müssen sich vor ihren Aktionären nicht für das politische Klima rechtfertigen. Harte Standortfaktoren sind ihnen wichtiger als die politische Ideologie. Jan Mainka, Chefredakteur der deutschsprachigen „Budapester Zeitung“, ist sich sicher: „Wenn deutsche Unternehmer wählen könnten, würden 90 Prozent für Orbán stimmen.“ Uwe Schneider-Kühn, Abteilungsleiter bei Siebtechnik und seit Jahrzehnten im Ungarn-Geschäft sagt: „Außen-politisch mag Orbán schwierig sein. Seine Wirtschaftspolitik aber ist sehr gut.“ Insgesamt ist die Zufriedenheit also so hoch wie noch nie. Orbán ist in ihren Augen nicht der Schurke, der er im Westen gerne dargestellt wird. Vielmehr wird er als Demokrat gesehen, die Belehrungen des Westens werden hingegen als Arroganz verstanden. Das ist auch der Grund warum der ungarische Ministerpräsident neue Verbündete sucht: Die Visegrad-Staaten bilden nun gemeinsam mit Österreich eine Allianz. Das ist die neue Realität, die neue Zeitrechnung.

Den gesamten Artikel finden Sie hier:
http://www.wiwo.de/my/politik/europa/deutsche-firmen-in-osteuropa-geschaefte-machen-beim-europafeind/20903608.html

 

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