DUWN – Ungarn holt Goldreserven aus London nach Hause

Die Goldreserven des Landes sind nach Ungarn zurückgekehrt. insgesamt 100 Tausend Unzen (etwa 3 Tonnen) Edelmetall wurden aus London nach Budapest zurückgebracht. Die Rückbringung des Goldes in Wert von etwa 130 Millionen Dollar wurde einstimmig von der Leitung der Ungarischen Nationalbank (Magyar Nemzeti Bank) beschlossen. Nach Einschätzung der ungarischen Notenbank könnte der Besitz der Goldreserven innerhalb des eigenen Landes – ein Schritt in Übereinstimmung mit aktuellen internationalen Trends –  das Vertrauen in die ungarischen Märkte weiter stärken. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Länder beschlossen ihre Goldreserven nach Hause zu holen. Die Lagerung der Reserven im Ausland wurde von immer mehr Notenbanken als zu riskant eingestuft: So entschied in der nahen Vergangenheit unter anderem die niederländische, deutsche sowie österreichische Notenbank ihre Goldreserven zu einem Teil nach Hause zu holen. Der Ort der Lagerung wurde zum wichtigen Aspekt, vor allem im Bezug auf Sicherheit, auch im Falle Geopolitischer Krisen.
Die ungarische Notenbank verfügt seit ihrer Gründung im Jahre 1924 über Goldreserven. Die Menge dieser stieg kontinuierlich bis zum II. Weltkrieg, zu dessen Ende hin die ungarische Nationalbank MNB im Januar 1945 etwa 30 Tonnen an Goldbarren sowie Goldmünzen mit dem „Goldzug“ nach Spital am Pyhrn in Österreich brachte. Diese Menge wurde nach dem Krieg 1946, vollständig zurückgeholt. Aus den zur Verfügung stehenden Daten weiß man, dass diese Menge in der ersten Hälfte der 70er Jahre sich bis auf 65-70 Tonnen erhöhte, bis 1989 aber auf etwa 50 Tonnen fiel.

In der Zeit nach der Auflösung des Bretton Woods Golddevisen-Systems wurden die Änderungen der Reserven aus der Sicht von Investitions- und Spekulationserwägungen gesteuert. Ende der 1980-er Jahre entschied die MNB die Reserven auf ein Minimum zu senken. In der Praxis bedeutete dies die Reduzierung des Goldes innerhalb kürzester Zeit auf 10 Tonnen. Der heutige, reduzierte Stand von etwa 3 Tonnen besteht bereits seit 1992.

Für den Verkauf der Reserven Anfang der 90-er Jahre erhielt die MNB ausländische Devisen, die sie damals für sicherer, liquider hielt und mit der sie in ausländische Staatspapiere mit höheren Renditen investierte. Die Wirtschaftskrise 2008 veränderte das Verhalten der Notenbanken bezüglich Goldreserven grundsätzlich. Gold dient nun nicht mehr nur als Investitionsmittel der Notenbanken, sondern auch als strategisches Mittel, das geeignet ist das Vertrauen des Landes im In- sowie Ausland zu stärken. Somit spielen die Reserven auch eine immer größere wirtschaftsstrategische Rolle. Dazu passt der jetzige Schritt der MNB die Goldreserven zurückzuholen.

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