Auf der Suche nach neuer Gemeinsamkeit

Das deutsch-ungarische Forum in Berlin war ein weiterer, behutsamer Schritt hin zu einem „Neustart“ in den Beziehungen. Die Außenminister beider Länder traten gemeinsam auf.

Von Boris Kálnoky

 

Als „Deutscher und Europäer“ präsentierte sich Deutschlands Außenminister Heiko Maas in seiner Rede am 10. September im Aus­wärtigen Amt vor deutschen und un­garischen Jugendlichen. Sein mit ihm auftretender ungarischer Amtskollege Péter Szijjártó hingegen als Ungar und Mitteleuropäer.

Vorsichtige Annäherung

Das brachte die unterschiedlichen Wellenlängen im Denken zwischen Ber­lin und Budapest auf den Punkt. Zu­gleich aber war es, kaum drei Wochen nach dem symbolträchtigen und über­raschend harmonisch verlaufenen Tref­fen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán in Sopron zum 30. Jahres­tag des Paneuropäischen Picknicks am 19. August, ein weiteres Indiz für eine vorsichtige Annäherung zwischen bei­den Ländern.

Die beiden Außenminister eröffneten gemeinsam das diesjährige Deutsch-Un­garische Forum in Berlin. So prominen­te Gäste ist das Forum nicht gewohnt: Schon der gemeinsame Auftritt wurde daher von Beobachtern als Schritt auf­einander zu bewertet.

Szijjártó hatte vor dem Treffen der Zeitung „Die Welt“ gegenüber von ei­nem „Neustart“ gesprochen, den er „mit Außenminister Maas erreichen möch­te“. Man achte aufs Detail: „mit“ Maas, gemeinsam also. Es klang, als sei das Bestreben beiderseitig. Dazu passte, dass Maas bereits vor einem Jahr eine „neue Ostpolitik“ verkündet hatte: ein stärkeres Zugehen auf die Länder Ost­mitteleuropas.

Szijjártó wünschte sich denn auch ei­nen neuen Respekt im Umgang mitei­nander, Respekt auch für manche Un­terschiede in den Auffassungen. Zumal sich die Ansichten beider Länder bei den meisten Themen deckten.

Stimmige Symbolik

Der thematische Schwerpunkt des deutsch-ungarischen Forums war der­selbe wie bei Merkels Besuch in Sopron: 30 Jahre Grenzöffnung. Daran aufge­hängt sollte auch über das deutsch-un­garische Verhältnis damals und heute nachgedacht werden, und über dessen Rolle für die Zukunft Europas.

Um diese Elemente herum hatten das deutsch-ungarische Jugendwerk, die Budapester Andrássy-Universität und letztlich die beiden Außenministe­rien eine zweitägige Konferenz in Ber­lin organisiert.

Zuvor legten Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und Ungarns Par­lamentspräsident László Kövér einen Kranz zum Gedenken der Opfer des Kommunismus nieder, und diskutierten im Bundestag deutsche und ungarische Parlamentarier mit Jugendlichen aus beiden Ländern. Auf der ungarischen Seite waren unter anderen Minister a.D. Zoltán Balog und Familienstaatssekretä­rin Katalin Novák gekommen, sowie der stellvertretende Parlamentspräsident Csaba Hende – alles zentrale Figuren der ungarischen Deutschland-Politik. Die Symbolik stimmte, der Aufwand war groß, die Besetzung prominent. Aber so ganz harmonisierten die Re­den der beiden Außenminister dann doch nicht.

Allgemein gehaltene Floskeln von Maas

Maas sagte inhaltlich im Grunde über­haupt nichts. Nach einführenden Worten des Dankes an Ungarn für die damalige Öffnung des Eisernen Vorhangs kamen gewohnte, allgemein gehaltene Floskeln: Europa gut, Abschottung und Nationa­lismus schlecht, Europas Demokratie in steter Gefahr, die es abzuwehren gelte durch eine Besinnung auf gemeinsame Werte. Die EU sei der Garant der Demo­kratie und Rechtsstaatlichkeit, und müs­se gegen Angriffe geschützt werden.

Ungarn kritisierte er mit keinem Wort, aber doch klang da der klassische Duktus insbesondere von Maas’ Partei, der SPD, gegenüber Ungarn durch: Das von Viktor Orbán regierte Land gilt dort noch mehr als bei Teilen der CDU und mittlerweile auch der CSU allgemein als „autoritäres Regime“ und „Problem für Europa“.

Dennoch bedankte sich Ungarns Fa­milienstaatssekretärin Katalin Novák, zugleich Vizepräsidentin der Regie­rungspartei Fidesz und eine wichtige Gestalterin der ungarischen Deutsch­landpolitik, auf Twitter artig für die „schöne Rede“. Da war klar, dass die ungarische Seite tatsächlich um einen neuen Ton des Miteinanders bemüht ist.

Faktenreiches Angebot von Szijjártó

Szijjártós Rede war anders gelagert – voller Fakten und Informationen, letzt­lich ein selbstbewusst und kämpferisch, aber nicht konfrontativ vorgetragenes Angebot an Deutschland, Ungarn und das weiter gefasste Mitteleuropa als strategischen Partner zu umarmen.

Wann immer Deutschland und Un­garn, Deutschland und Mitteleuropa gut zusammenarbeiten, bewegen sie viel, sagte Szijjártó. Von dieser Zusammen­arbeit Deutschlands und Mitteleuropas werde letztlich Europas Zukunft abhän­gen, sein Platz in der Welt, seine Wett­bewerbsfähigkeit.

Zur Illustration betonte er die wirt­schaftlichen Leistungen der Visegrád-Gruppe (die „V4“ – Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei). Mit besonderer Genugtuung erfülle es ihn, dass der Handel Deutschlands mit den V4 im ver­gangenen Jahr das Volumen des deut­schen Handels mit Frankreich um mehr als 70 Prozent übertroffen habe. Von den vier EU-Ländern mit dem stärksten Wirtschaftswachstum, sagte er, gehör­ten drei zur Visegrád-Gruppe.

V4 statt Frankreich – kodiert in die­se Bemerkungen war die ungarische Vorstellung, Deutschland möge die his­torische deutsch-französische Zusam­menarbeit als „Herz der EU“ um eine weitere strategische Kooperation mit Ostmitteleuropa erweitern oder gar ersetzen. Wozu deutsche Diplomaten manchmal anmerken, anders als der deutsch-französische Handel sei jener zwischen Deutschland und den V4 oft „konzerninterner Handel“, also Handel zwischen den Niederlassungen deut­scher Konzerne in Ostmitteleuropa und ihren deutschen Mutterfirmen.

Szijjártó plädiert für ein Europa starker Nationalstaaten

Anders als Maas, der gar nicht kon­kret auf die deutsch-ungarischen Be­ziehungen einging, äußerte sich Szi­jjártó dazu sehr direkt: Man sei sich einig im Ziel eines starken Europas, es gebe aber Differenzen bei der Fra­ge, wie man dorthin gelangen könne. Ungarn sei überzeugt, dass nur ein Europa starker Nationalstaaten stark sein könne. Trotz Einigkeit in vielen Bereichen werde es angesichts der sehr reellen und schwerwiegenden He­rausforderungen in der Zukunft auch weiterhin inhaltliche Auseinanderset­zungen geben, aber wenn diese „mit gegenseitigem Respekt“ ausgetragen würden, dann sei solcher Streit um In­halte letztlich gut für Europa.

Das also war der Spannungsbogen: Wo Maas davon sprach, gemeinsam De­mokratie und Rechtsstaat zu schützen, sprach Szijjártó von gesundem Streit um die richtigen Lösungen zu Fragen wie Migration, Wettbewerbsfähigkeit und Welthandel. Immerhin lag die Be­tonung auf beiden Seiten beim Gemein­samen – etwa als Szijjártó erwähnte, Ungarn werde künftig gemeinsam mit dem deutschen Roten Kreuz Hilfe leis­ten für Flüchtlingslager im Libanon, als Teil einer Politik, Fluchtursachen in den Ursprungsländern zu verringern.

Verhaltenere Stimmung – positiver Ton

Insgesamt war die Stimmung etwas verhaltener als beim Treffen zwischen Merkel und Orbán am 19. August in So­pron. Aber der Ton blieb dennoch positiv. Selbst zum Thema Rechtsstaatlichkeit konnte sich ein ranghoher ungarischer Vertreter am Rande der Konferenz ge­gebenenfalls eine Einigung auf einen neuen europäischen Mechanismus vor­stellen, aber „der Weg dorthin ist noch lang“ und es werde „sehr von den De­tails abhängen“. Konkret geht es um einen deutsch-belgischen Vorschlag vom vergangenen März, eine Art institutionalisierten Meinungsaustausch zu Fragen der Rechtsstaatlichkeit zwi­schen den EU-Mitgliedern zu schaffen, um die gegenseitige Verständigung zu erleichtern.

Weiterer Erfolg für das deutsch-ungarische Jugendwerk

Übrigens bedeuteten das Treffen in So­pron und das jetzige deutsch-ungarische Forum in Berlin eine Art Durchbruch für das deutsch-ungarische Jugendwerk (DUJ), das beide Veranstaltungen maß­geblich mit organisierte. Das DUJ ist erst wenige Jahre alt, aber mittlerweile unter der ehrenamtlichen Führung von Maren Schoening zu einem so zentralen Element der deutsch-ungarischen Bezie­hungsarchitektur geworden, dass Au­ßenminister Maas in Berlin die Arbeit des Jugendwerkes bereits ausdrücklich und öffentlich lobte.

Anders als etwa das deutsch-franzö­sische oder das deutsch-polnische Ju­gendwerk ist das DUJ keine staatlich gegründete Stiftung mit entsprechen­der Finanzierung, sondern eine von beiden Ländern politisch unterstützte private Initiative. Inzwischen wäre es vielleicht an der Zeit, diese Arbeit nicht nur zu loben, sondern durch eine sta­bile staatliche Finanzierung zu unterstützen. Bislang hangelt sich das DUJ nämlich von Projektförderung zu Pro­jektförderung und weiß nie, wie das nächste Jahr finanziell aussehen wird. Falls deutsche Unternehmer in Ungarn nach einem guten Zweck für Spenden suchen – das Jugendwerk ist bestimmt ein solcher.

Quelle: Budapester Zeitung

Der Brief des ungarischen Botschafters ans ZDF

An Herrn Dr. Thomas Bellut, Intendant Zweites Deutsches Fernsehen
Berlin, den 4. September 2019

Sehr geehrter Herr Intendant,

das ZDF hat am 4. September 2019 zur Hauptsendezeit ein »Dokudrama« zu den Ereignissen von vor vier Jahren ausgestrahlt. Ohne Zweifel ist das Thema (nicht nur) in Deutschland von besonderem öffentlichen Interesse. Unter Wahrung der geschriebenen und ungeschriebenen Regeln meines Berufes und der gebotenen Achtung für die deutschen Bürger und Politiker kommentiere ich die damit verbundenen internen Debatten nicht öffentlich. Ich verfolge sie lediglich und natürlich berichte ich darüber in angemessener Form an meine Hauptstadt.

Nun gab es in dem erwähnten Film derart viele Elemente, die Objektivität und Tatsachen missen haben lassen, und in Form von „Einspielungen“ eine Reihe von Anspielungen auf mein Land und seinen mehrfach demokratisch gewählten Ministerpräsidenten, dass ich mich gezwungen sehe, darauf zu reagieren.

Was die ethischen und moralischen Normen verletzenden Passagen und Andeutungen angeht, kann ich nur hoffen, dass die Autoren und Machersie mit ihrem Gewissen vereinbaren können.

Aber ich beschränke meine ins Traurige spielende Frustration auf die Tatsachen. Der „Mythos vom Budapester Ostbahnhof“ ist nicht neu. Die auch im Film immer wiederkehrende Behauptung, alles hätte hier und jetzt seinen Anfang genommen und wäre Quelle aller Probleme, läuft der schlichten geographischen Realität, den Bestimmungen des internationalen und europäischen Rechts und den Ereignissen vom Sommer und Herbst 2015 diametral entgegen.

Der 4. September war einer von vielen Tagen in der seit Monaten andauernden Migrationskrise. Ich selbst hattedamals, noch als Ständiger Vertreter bei der EU in Brüssel, meinen Kollegen schon Wochen zuvor signalisiert, dass die Zahl der täglich eintreffenden illegalen Migranten bereits die zehntausender Marke überschreitet. Kenntnis und Verständnis der Situation belegt kaum etwas deutlicher als die Tatsache, dass das Bundesministerium des Innern am 19. August, zwei Wochen bevor sich der „Marsch der Hoffnung“ in Bewegung setzte, die Zahl der bis zum Jahresende erwarteten Zuwanderer auf 800.000, also auf das Doppelteder bis dahin geltenden Schätzung, korrigiert hatte. Es waren dann am Ende –wenn ich mich nicht irre –890.000. Nicht unerwähnt lassen sollten wir auch den Tweet des BAMF vom 25. August über die Aussetzung der Anwendung der DublinVerordnungen, der der Zuwanderung durchaus eine neue Dynamik verlieh.

Auch sollte man die simple geographische Gegebenheit berücksichtigen, dass den Budapester Ostbahnhof mehr als 1000 km von der Außengrenze der EU und des Schengenraumes trennen. Beachten wir internationales Recht (Art. 31 der Genfer Konvention) oder europäisches Recht (Schengener Grenzkodex, Dubliner Verordnung) sind zwei Dinge festzuhalten: Die illegalen Einwanderer sind auf ihrem Weg durch nicht weniger als fünf oder sechs Staaten gezogen, in denen ihr Leben nicht in Gefahr war, sie also keine Flüchtlinge mehr waren. Zudem ignorierten sie bewusst alle Dubliner und Schengener Regelungen, denn ihnen war klar, wohin siewollten.

Ungarn hat mit der Entscheidung europäische Regelungen durchzusetzen große materielle, politische und moralische Risiken auf sich genommen. Wir haben weder Dank noch Anerkennung erwartet, dafür wurden uns täglich unbegründete Kritik und moralische Belehrungen zuteil. Seitdem sind vier Jahre vergangen, die Dinge haben sich langsam wieder in Richtung der Einhaltung von Recht und Ordnung bewegt, schrittweise gelingt es uns Ordnung und Humanität miteinander in Einklang zu bringen, doch die realitätsfremde, und von Fall zu Fall an Ehrverletzung grenzende Propaganda hört nicht auf.

Jedenfalls kann ich nur erneut und immer wieder anbieten, dass ich dem ZDF und anderen öffentlich-rechtlichen oder privaten Medien bei Interesse an den Tatsachen oder dem ungarischen Standpunkt jederzeit bereitwillig zur Verfügung stehe.Es wäre an der Zeit statt Schmutzkampagnen und Fiktionen,die die geografische Realität außer Acht lassen und als Wahrheit präsentieren,die Fakten gewähren zu lassen.

Mein beruflicher Werdegang hat es mit sich gebracht, dass ich die Ereignisse sowohl 1989 (damals als für die DDR zuständiger Referent des ungarischen Außenministeriums) als auch im Sommer und Herbst 2015 (zunächst als ständiger Vertreter bei der EU, dann ab Oktober 2015 als Botschafter in Berlin) aus unmittelbarer Nähe verfolgen konnte. Den ersten Stein aus der Mauer, die das eigene Volk eingeschlossen hielt, haben die Ungarn herausgeschlagen. 2015 hat sich Ungarn für die Einhaltung und Durchsetzung europäischen Rechts und für denSchutz der Lebensform und des Wirtschaftsmodells, die die Grundlage der EU bilden, und des durch Schengen geschützten Binnenmarktes eingesetzt, und den illegalen Zustrom über die grüne Grenze gestoppt.

Grundlage und ein natürlicher Zug unseres gemeinsamenDaseins und unserer Zusammenarbeit ist, dass wir die Welt in manchen Fällen aus anderemBlickwinkel und durch andere Sichtweise betrachten. Situationen wie diese zu klären gelingt jedoch nur auf der Basis von Respekt für unser Gegenüber und für die Tatsachen. Der von Ihnen gezeigte Film tut keinem dieser Kriterien Genüge.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. Péter Györkös

Zukunft Personal in Köln – HR Technologie B2B Event mit Ungarn

Bereits seit 20 Jahren vernetzt die europäische Leitmesse „Zukunft Personal“ vom 17. – 19. September 2019 als Impulsgeber Menschen und Märkte in den Bereichen Recruiting & Attraction, Corporate Health, Digital Learning, Future of Work und Startup. Dieses Jahr bietet das EnterpriseEurope Network NRW gemeinsam mit HEPA Export Promotion Agency aus Ungarn die Möglichkeit, gezielt mit ungarischen HR Anbietern ins Gespräch zu kommen.

Fünfzehn Firmen aus Budapest und Umgebung reisen nach Köln, um Ihre Technologien und Recruitingansätze vorzustellen und in Deutschland Kooperationspartner zu finden. Eine Auflistung der Teilnehmer inklusive Kurzzusammenfassung finden Sie hier (link). Gesucht werden Partner aus den Bereichen Lohnbuchhalter, Mobilität, Gesundheitspflege, Bildungsdienstleister, Organisationsentwicklung, Assessment Center, Change Management, Tech Start-Ups und Firmen auf der Suche nach temporären Arbeitskräften.

Nutzen Sie Ihre Chance, vernetzen Sie sich mit ungarischen Anbietern und erhalten Sie ein kostenfreies Tagesticket für die Messe! (Anzahl begrenzt, nach Eingang der Anmeldung).

Kontaktieren Sie uns gerne für eine individuelle Terminvereinbarung. Die Gespräche finden auf der Messe am ungarischen Gemeinschaftsstand oder am Stand der jeweiligen Anbieter zwischen 9:00 und 17:40 Uhr statt.

Kontakt:
Susanne Jakobs, Tel.: 0208 30004 41, Mail: sj@zenit.de
Cornelia Schwizer, Tel.: 0208 30004 15, Mail: cs@zenit.de

Veranstaltungsort:
Kölnmesse GmbH
Messeplatz 1 Business Area, Halle 3
50679 Köln

Familien-, Demographie- und Gesellschaftspolitik in Ungarn

Familien-, Demographie- und Gesellschaftspolitik in Ungarn:
Wie wir durch starke Familienpolitik eine höhere Geburtenrate erreichen

Am 17.06.2019 stellte die ungarische Staatsministerin Katalin Novák im Hayek-Club Frankfurt am Main die Maßnahmen der ungarischen Regierung vor um nachhaltige Bevölkerungstrukturen zu schaffen, da in der Vergangenheit in Ungarn und Europa zu wenige Kinder geboren wurden.

Die Folgen sind gravierend: Die Alterung steigert die sozialen Lasten, die die Erwerbstätigen schultern müssen. In Ländern mit geringer Arbeitslosigkeit ist der Fachkräftemangel ein limitierender Faktor für das Wachstum von Unternehmen. Die „Unterjüngung“ bremst tendenziell Innovationskraft und technischen Fortschritt. Hinzu kommen außerökonomische Folgen des Geburtenmangels. Kann und soll Zuwanderung die Lücke füllen?
In Ungarn verfolgt die Regierung eine Politik, die explizit die Steigerung der Geburtenrate anstrebt.

In den Jahren ab 2010 bis heute wurden folgenden Maßnahmen eingeführt:
 
Die Ausgaben zur Unterstützung von Familien betragen 4,8 % des BIP und haben sich von 2010 bis 2019 verdoppelt. Als Folge hat sich die Fruchtbarkeitsrate von 1,23 Kinder Mutter um 22 % auf 1,49 Kinder pro Mutter erhöht und die Abtreibungen sind um 33,5 % gesunken. Die Beschäftigungsrate von Frau stieg von 50,2 % auf 62,3 % und die
Eheschließungen um 42,3%. Da viele Maßnahmen positive Effekte hinsichtlich der Zunahme von Geburten hatten, wurde 2019 ein Aktionsplan mit folgenden Maßnahmen beschlossen:
 

1.) 31.000 Euro staatliche Unterstützung für junge Ehepaar (Kredit)
2.) Erweiterung der staatlich geförderten Kredite für den Wohnungserwerb
3.) Senkung des Hypothekendarlehns (Teiltilgung der Darlehn durch die Geburt von Kindern)
4.) Betreuung von der Einkommensteuer für Frauen mit 4 oder mehr Kindern
5.) Staatliche Unterstützung zum Kauf eines familientauglichen Fahrzeuges für Großfamilien
6.) Erweiterung der Anzahl von Kinderkrippenplätzen.
7.) Recht der Großeltern auf geförderten Erziehungsurlaub

Die komplette Rede vom 17.06.2019 in deutscher Sprache finden Sie auf dem YouTube-Kanal des Hayek-Clubs Frankfurt am Main:

ZalaZone – Teststrecke der Zukunft

2016 beschloss die ungarische Regierung, ein einzigartiges Projekt in die Wege zu leiten. Eine Fahrzeugteststrecke. Doch nicht für gewöhnliche Kraftwagen, sondern für Autos der Zukunft. Derzeit entsteht in der Nähe des westungarischen Zalaegerszeg eine Teststrecke, auf der die Autos der Zukunft schon bald auf Herz und Nieren geprüft werden sollen.

Die Entstehungsphase

Das als ZalaZone bezeichnete Projekt wurde im April 2017 in Angriff genommen und erstreckt sich auf einem 265 Hektar großen Gebiet. In das modernste, autoindustrielle Projekt Mitteleuropas sollen insgesamt rund 42 Milliarden Forint investiert werden. Neben Automobilen Projekten werden hier auch Entwicklungen im Bereich der Telekommunikation und der Infrastruktur getestet werden können. Zur Verwirklichung all dieser Ziele pflegt ZalaZone auch enge Beziehungen zu verschiedenen Universitäten in Ungarn. Der Grund dafür, dass das 240 Kilometer von Budapest entfernte Zalaegerszeg als Standort gewählt wurde, ist, dass sich in der Region zahlreiche Autohersteller und Zulieferer befinden.

Aufbau der Teststrecke

Die Testbahn beinhaltet verschiedene Strecken, die jeweils unterschiedliche Situationen und Fahrbahnbedingungen simulieren. Erbaut werden die Strecken in drei Etappen. Die erste begann 2018 und endete bereits im Januar 2019. Dabei wurden zunächst die wichtigsten Module entwickelt: etwa der dynamische Parcours (eng.: dynamic surface), der Handlingkurs (eng.: handling course), der Bremsparcours (eng.: braking surfaces) und die Landstraßen sowie ein Drittel der „Smart City Zone“. In einer zweiten Etappe wird derzeit der ovale Hochgeschwindigkeitsparcours (eng.: high-Speed oval), die Autobahn und weitere Strecken der „Smart City Zone“ errichtet. In der letzten Etappe sollen die sogenannten „schlechten Straßen“, die Steigungen, Lärmtestsabschnitte und die Wasserbecken errichtet werden.

Ziele von ZalaZone

Das wichtigste Ziel des ZalaZone-Projekts ist die Schaffung einer komplexen und einzigartigen Testumgebung für die vollständige Prüfung selbstfahrender und elektrisch angetriebener Fahrzeuge. Die Forschung und die Entwicklungstests, die hier stattfinden, könnten mit dazu beitragen, dass es zukünftig weniger Staus gibt, die Menschen bequemer an ihr Ziel kommen und dabei auch noch viel Zeit sparen. Die ZalaZone soll voraussichtlich bis Ende 2020 fertiggestellt werden.

Führungswechsel bei der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Dr. Gerhard Papke löst Dr. Peter Spary ab

Gerhard Papke, früherer Vizepräsident des Landtags Nordrhein-Westfalen und langjähriger Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion, ist zum neuen Präsidenten der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland (DUG) gewählt worden. Die DUG, mit Sitzen in Berlin und Bonn, pflegt als gemeinnütziger Verein seit ihrer Gründung 1994 die deutsch-ungarischen Beziehungen. Sie hat aktuell bundesweit etwa 400 unmittelbare Mitglieder und dient rund 30 regionalen deutsch-ungarischen Freundschaftsverbänden als Dachverband.

Quelle: Budapester Zeitung und Deutsch-Ungarische Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Geldpolitik: Ungarns Notenbank leitet ersten kleinen Schritt zur Zinswende ein

Der Währungsrat der Notenbank entschied, die erste Zinserhöhung seit mehr als sieben Jahren vorzunehmen. Am Nachmittag des 26. März traten die Währungshüter der Ungarischen Nationalbank (MNB) zusammen. Die Vorzeichen standen gut für eine monetäre Wende, denn im Februar wurde das Inflationsziel der MNB durchschnittlich drei Prozent erreicht. In den jüngsten Wochen intensivierte sich die Erwartungshaltung, dass es mit der ultralockeren monetären Politik bald vorbei sein wird – die Märkte fragten sich, wann die monetäre Wende eintritt.

Der Währungsrat der MNB gab dann bekannt, den Tagessatz um 10 Basispunkte angehoben zu haben. Fortan steht dieser Zinssatz bei -0,05 Prozent, also noch 95 Basispunkte unter dem Leitzins.

In ihrer Pressemitteilung bekräftigte die MNB erwartungsgemäß ihre absolute Priorität, die Preisstabilität zu erreichen und zu bewahren. Inflation wird durch die anhaltend belebte Inlandsnachfrage angeheizt, von Seiten der lahmenden äußeren Konjunkturjedoch abgebremst. Die MNB rechnet für 2019 mit einem verhalteneren Wachstumstempo von 3,8 Prozent. Der Zinssatz für Tageseinlagen wurde um 10 Basispunkte auf -0,05 Prozent angehoben, während der sogenannte Leitzins und der Spitzenrefinanzierungssatz der Notenbank unverändert bei 0,9 Prozent stehen.

Veranstaltungshinweis – „Internationaler Vormittag“ Veszprém | 26. April 2019

Die Handels- und Industriekammer des Komitats Veszprém lädt Sie herzlich
zur Veranstaltung „Internationaler Vormittag“ ein, auf der
Unternehmen aus dem Bezirk, die einen Einstieg in den deutschen bzw.
italienischen Markt planen, aktuelle und nützliche Informationen erhalten
können. Wir empfehlen die Veranstaltung ebenfalls für die, die bereits auf
diesen Märkten präsent sind, aber mehr über die Möglichkeiten der Erweiterung
dieser erfahren möchten.

PROGRAM:
– Erfolgreicher Einstieg in die Märkte Deutschlands und Österreichs
– Erfolgreich auf dem italienischen Markt als Ungar
– Konsultationsmöglichkeiten mit den Vortraggebern

TEILNAHME:
– Die Teilnahme ist kostenfrei für alle Unternehmen, die über eine Registrierung der Kammer verfügen
– Zur Anmeldung wird ein ausgefülltes Online Anmeldungsformular der Kammer benötigt
– Anmeldefrist: 18. April 2019

Datum: 26.04.2019 09:00 – 11:30
Veranstaltungsort: VKIK (Veszprém, Radnóti tér 1.)

Weitere Informationen erhalten Sie unter: https://veszpremikamara.hu/rendezvenyek/gazdasagfejlesztes/fokuszban-az-olasz-es-a-nemet-piacok
Csitei Tímea, 06-88-814-101, csitei.timea@veszpremikamara.hu

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Nachhaltige Wende – BIP Ungarns 2018.

Die ungarische Wirtschaft schneidet zunehmend besser ab, die im vergangenen Jahr erreichten 4,8% Wachstum zeigen die höchste Dynamik seit anderthalb Jahrzehnten. Das sagte Finanzminister Mihály Varga bei der Präsentation der frischen BIP-Zahlen des KSH. Während die Konjunktur sowohl in der Weltwirtschaft allgemein als auch im Besonderen in der EU abflaut, verfolgt die Orbán-Regierung die Absicht, den aktuellen Schwung zu bewahren. Das Zentralamt für Statistik (KSH) geht in einer ersten Schätzung von einem Wachstum im IV. Quartal mit unbereinigt 5,0% und saisonal sowie nach Kalendertagen bereinigt von 4,8% aus. Im Gesamtjahr 2018 ergab sich roh ein BIP-Zuwachs um 4,8%, bereinigt sogar von 4,9%. Stärkster Wachstumsmotor sei mittlerweile der Dienstleistungssektor. Dank Steuersenkungen und Lohnerhöhungen bleibe mehr Geld bei den Familien, der Wohnungsbau stärke das Baugewerbe. Damit Ungarn auch langfristig mindestens 2 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt wachsen kann, beabsichtigt die Regierung weitere Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und einen Aktionsplan zum Schutz der Wirtschaft, sagte der Finanzminister.

Quelle: Budapester Zeitung 16. Februar 2019