DUWN – Forint unter Abwertungsdruck

Der Forint ist in den letzten Monaten unter Abwertungsdruck zum Euro und Dollar geraten. Insgesamt beträgt das Minus in diesem Quartal zum Euro rund 5 Prozent und zum Dollar rund 10 Prozent.
Mitte April kostete ein Euro noch etwa 310 Forint, ein Dollar etwa 250 Forint. Durch den Werteverfall mussten letzten Donnerstag für einen Euro 327 Forint und für einen Dollar 285 Forint bezahlt werden.
Deutliche Verluste verzeichnete ebenfalls der Aktienindex des Landes. Seit Anfang 2015 stieg dieser stark von etwa 15.00 Punkten auf 41.000 Punkte. Der aktueller Kurs liegt bei etwa 35.500 Punkten.
Da der Großteil der Schulden des Staates, der Unternehmen und auch der Haushalte in Fremdwährungen notiert sind, bedeutet dies ein hohes Währungsrisiko für das Land.

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https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2018/06/29/spekulanten-nehmen-ungarn-ins-visier/

DUWN – Abschottung gegen osteuropäische Unternehmen – Neue Entsenderichtlinie

Abschottung gegen osteuropäische Unternehmen – Eine unsichtbare Mauer entsteht in Europa

Für die Gewerkschaften in Westeuropa ist dies ein großer Erfolg. Das EU-Parlament beschloss vor wenigen Tagen eine Verschärfung der „Entsenderichtlinie“, mit der Mauern gegen Arbeitnehmer aus Osteuropa errichtet werden. Angestellte und Arbeiter eines Unternehmens, die in einem EU-Land ansässig ist, sollen ab 2020 nur in einem anderen EU-Land arbeiten dürfen, wenn sie die gleichen Löhne und Gehälter bekommen wie die Arbeitnehmer des Gastlands. Die Hoffnung ist groß, dass somit endlich das vermeintliche Lohndumping gestoppt werden kann. Die Praxis sieht aber anders aus. Hinzu kommt die in Kauf genommene Desintegration Europas: denn ein Grundsatz der EU wird über Bord geworfen, die Bewegungsfreiheit der Unternehmen im Binnenmarkt somit beendet.

(Unterschieden wird hier zwischen Personen, die eigenständig eine Stelle im Ausland suchen, bzw. die von Firmen entsendet werden. Die neue Regelung betrifft nur letztere.).

Auch bisher mussten Arbeitnehmer ausländischer Firmen den Mindestlohn erhalten. Damit galten gesetzliche Regelungen sowie Tarifverträge auch für diese Gruppe. Die Verschärfung sieht vor, dass nun auch Lohnbestandteile zu zahlen sind, die über die Regelungen hinausgehen, wenn eine gleichartige Arbeit geleistet wird. Zudem müssen die An- und Abfahrtkosten ersetzt werden.

Das klingt zunächst sehr gerecht, bringt aber auch einige Probleme mit sich:

  • Eine weitere Bürokratie, die Unternehmen bremst, wird aufgebaut.
  • Wer entscheidet, was „gleichartige“ Arbeit ist? Wer stellt fest, welche Überzahlungen gem. Marksituation geleistet werden müssen?
  • Aus ähnlichen, bereits bestehenden Regelungen sind negative Folgen bekannt: Gesetze werden von Arbeitsmarktverwaltung und Sozialversicherung genutzt, um Bezahlungsregeln aufzustellen, die in den heimischen Unternehmen, die man leicht erreichen kann, angewandt werden müssen. Bei Nichteinhaltung der Regeln gibt es enorme Strafen.
  • Ausländische Unternehmen bleiben meist unerreichbar. Behörden werden ausländische Firmen schwer überprüfen können.

Es geht um den guten Zweck, den Kampf gegen Lohndumping.  Dies nützt den nationalen Arbeitskräften aber nicht.

Die Investition vieler Projekte kommt nur unter der Voraussetzung zustande, dass billigeren ausländischen Unternehmen eingesetzt werden können. Können Kostenentlastungen durch ausländische Anbieter nicht erfolgen, werden Pläne nicht ungesetzt und auch inländische Unternehmen verlieren Aufträge.

Die sogenannte „Kohäsion“ leidet auch unter der neuen Regelung. Arbeit im westeuropäischen EU-Ausland hat im Osten besondere, volkswirtschaftliche Bedeutung. Der Einsatz von ausländischen Unternehmen leistet somit einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung. Die EU sollte also die Entsendung von Arbeitnehmern in reichere Staaten erleichtern und nicht behindern. Somit könnten die von der Brüsseler Zentrale aus verwalteten 40 bis 50 Milliarden Euro Hilfsgelder gestrichen werden, Mitgliedstaaten könnten entsprechend weniger nach Brüssel zahlen um Schulden und Defizite begleichen zu können.

Aber auch der Vergleich zwischen Löhnen der lokalen bzw. entsendeten Arbeitnehmer geht nicht auf:

  • Da es keine EU-Regeln für Lohn- und Einkommensteuer und Sozialversicherung gibt, zahlen die Unternehmen Abgaben für die Entsendeten in den Heimatländern.
  • Die Entsenderichtlinie bezieht sich nur auf Löhne, Gehälter, Zulagen und Reisekosten.
  • In Polen beträgt z.B. die Staatsquote aus Steuern und Abgaben knapp über 40 Prozent, in Frankreich deutlich über 50 Prozent.
  • Den Entsendeten Arbeitern würde hier also netto mehr bleiben als den französischen Kollegen.

Der Grundgedanke der Entsenderichtlinie ist also falsch: Es geht davon aus, dass das Lohnniveau vorgegeben sei und für alle gelte.

  • Arbeitsverhältnisse wandeln sich. Die klassischen 40-Stunden-Jobs werden weniger. Bevorzugt werden projektbezogenen Beschäftigungen und variable Arbeitszeiten sowie differenzierten Entlohnungen.
  • Es gibt keine klar definierten Mindestlöhne innerhalb eines Landes. In stark wachsenden Zentren wird mehr bezahlt als in schwächeren Zonen.
  • Im Ausland Arbeitende Personen üben Druck aus auf das Lohnniveau im Heimatland

Die Entsenderichtlinie demonstriert ein Misstrauen gegenüber dem Markt und bevorzugt damit die bürokratische Regulierung. Es geht dabei um etwa 1,3 Millionen Personen. Angesichts der 227,6 Millionen Erwerbstätigen in der EU sind das gerade mal 0,57 Prozent.

 

 

DUWN – „Der Forint liegt am Boden“ – Stimmungsschwankungen am internationalen Finanzmarkt

„Der Forint liegt am Boden“ – sowohl Medien als auch Analysten gebrauchen gerne Formulierungen dieser Art, vor allem wenn der ungarische Zahlungsmittel nach langen Jahren der Stabilität schwächelt. Experten sind sich aber sicher: es gibt keinen Grund für Panik, obwohl gerade etwas Ungewöhnliches passiert.

Am 21. Mai erreichte der Forint seinen zweijährigen Tiefpunkt – ein Euro kostete rund 319,26 Forint. Dies war auch deshalb ungewöhnlich, weil sich die Währung in Jahren zuvor um 310 recht lange stabil festigte.

Warum also schwächelt der Forint?

Es gibt Situationen indem der jeweilige Wechselkurs den Zustand des Staates wiederspiegelt. Die jetzige Situation ist anders. Die Gründe für die Schwäche des Forints findet man außerhalb des Marktes.

Innerhalb der Region verloren der polnische Zloty als auch die Tschechische Krone ebenfalls an Wert. Ein wichtiger Grund für dieses Phänomen ist die Tatsache das Anleger Devisen der Eurozone sowie der amerikanischen Wirtschaft wesentlich attraktiver halten als Devisen sich entwickelnder Staaten. Daher lohnt es sich für sie auch mehr ihre Gelder in diese zu investieren.

Davon unabhängig könnte aber die Ungarische Nationalbank (MNB) diese Entwicklung leicht beeinflussen, damit der Forint nicht weiter an Wert verliert. Die zur Verfügung stehenden Mittel hierzu wären die Erhöhung des Leitzinses oder kurze Mitteilungen zur Beruhigung des Marktes. In ihrer letzten Mitteilung sagte die MNB jedoch nur, es gäbe „starke Stimmungsschwankungen“ am internationalen Finanzmarkt. Der Markt hatte hier eine wesentlich signifikantere Rückmeldung erwartet, damit verlor der Forint nach der Mitteilung weiter an Wert.

Der schwache Forint bedeutet Probleme für all die, die Importwaren kaufen, sowie die ihre Kredite in Devisen (wie Euro oder Schweizer Franken) tilgen.

Auch die Benzinpreise werden steigen, diese werden ebenfalls zum Teil von den Wechselkursen gesteuert.

Auch Urlauber werden durch die Änderung beeinflusst. Vor allem wenn sie nicht vorher reserviert hatten. Das bei vielen beliebte Ziel Kroatien hat hier mit der Kuna eine wesentlich stärkere Währung als der heimische Forint.

Wem nützt der schwache Forint?

Oft werden hier Export orientierte Unternehmen genannt. Jedoch macht der größte Teil der Export Unternehmen in Ungarn ihre Geschäfte in Euro (z.B. Mercedes oder Audi), hier spielt der Wechselkurs der Forint keine wesentliche Rolle. Rein ungarische Exportunternehmen freuen sich nur selten über den schwachen Forint, da sie ihre Rohmaterialien aus dem Ausland kaufen.

Den gesamten Artikel finden Sie hier:
http://hvg.hu/gazdasag/20180523_forintarfolyam_mnb_deviza_forint

DUWN – Ungarn holt Goldreserven aus London nach Hause

Die Goldreserven des Landes sind nach Ungarn zurückgekehrt. insgesamt 100 Tausend Unzen (etwa 3 Tonnen) Edelmetall wurden aus London nach Budapest zurückgebracht. Die Rückbringung des Goldes in Wert von etwa 130 Millionen Dollar wurde einstimmig von der Leitung der Ungarischen Nationalbank (Magyar Nemzeti Bank) beschlossen. Nach Einschätzung der ungarischen Notenbank könnte der Besitz der Goldreserven innerhalb des eigenen Landes – ein Schritt in Übereinstimmung mit aktuellen internationalen Trends –  das Vertrauen in die ungarischen Märkte weiter stärken. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Länder beschlossen ihre Goldreserven nach Hause zu holen. Die Lagerung der Reserven im Ausland wurde von immer mehr Notenbanken als zu riskant eingestuft: So entschied in der nahen Vergangenheit unter anderem die niederländische, deutsche sowie österreichische Notenbank ihre Goldreserven zu einem Teil nach Hause zu holen. Der Ort der Lagerung wurde zum wichtigen Aspekt, vor allem im Bezug auf Sicherheit, auch im Falle Geopolitischer Krisen.
Die ungarische Notenbank verfügt seit ihrer Gründung im Jahre 1924 über Goldreserven. Die Menge dieser stieg kontinuierlich bis zum II. Weltkrieg, zu dessen Ende hin die ungarische Nationalbank MNB im Januar 1945 etwa 30 Tonnen an Goldbarren sowie Goldmünzen mit dem „Goldzug“ nach Spital am Pyhrn in Österreich brachte. Diese Menge wurde nach dem Krieg 1946, vollständig zurückgeholt. Aus den zur Verfügung stehenden Daten weiß man, dass diese Menge in der ersten Hälfte der 70er Jahre sich bis auf 65-70 Tonnen erhöhte, bis 1989 aber auf etwa 50 Tonnen fiel.

In der Zeit nach der Auflösung des Bretton Woods Golddevisen-Systems wurden die Änderungen der Reserven aus der Sicht von Investitions- und Spekulationserwägungen gesteuert. Ende der 1980-er Jahre entschied die MNB die Reserven auf ein Minimum zu senken. In der Praxis bedeutete dies die Reduzierung des Goldes innerhalb kürzester Zeit auf 10 Tonnen. Der heutige, reduzierte Stand von etwa 3 Tonnen besteht bereits seit 1992.

Für den Verkauf der Reserven Anfang der 90-er Jahre erhielt die MNB ausländische Devisen, die sie damals für sicherer, liquider hielt und mit der sie in ausländische Staatspapiere mit höheren Renditen investierte. Die Wirtschaftskrise 2008 veränderte das Verhalten der Notenbanken bezüglich Goldreserven grundsätzlich. Gold dient nun nicht mehr nur als Investitionsmittel der Notenbanken, sondern auch als strategisches Mittel, das geeignet ist das Vertrauen des Landes im In- sowie Ausland zu stärken. Somit spielen die Reserven auch eine immer größere wirtschaftsstrategische Rolle. Dazu passt der jetzige Schritt der MNB die Goldreserven zurückzuholen.

DUWN – Osteuropa aus der Sicht deutscher Unternehmer

Obwohl in Budapest, Prag und Warschau im Moment Nationalisten regieren, erfreuen sich deutsche Firmen an dem wirtschaftsfreundlichen Kurs dieser sogenannten Europafeinde und schätzen diese Standorte. Die Erfahrungen der meisten Unternehmer sind überaus positiv und stehen konträr zu den Geschichten aus Osteuropa die in jüngster Zeit in Deutschland zu hören sind. Diese klingen meistens einheitlich nach Rechtspopulismus, Nationalismus und Europafeindlichkeit. Sie erzählen von der Abschaffung der Pressefreiheit, Abbau der Rechtstaatlichkeit. Fremdenfeindlichkeit und Grenzzäunen. Die Visegrad-Staaten scheinen drei Jahrzehnte nach der Wende vergessen zu haben wofür die Europäische Union steht.
Schurken im Osten, vorzeige Demokraten im Westen also? Fragt man deutsche Manager und Unternehmer im Osten, ist das so nicht ganz korrekt. Viele lehnen die aus dem Westen kommenden Belehrungen ab, blicken dabei mehr auf Bilanzen als auf Kennziffern der Demokratie. Denn die Geschäfte im Osten laufen bestens. Die Qualität der Arbeit sowie der Produkte stieg in den letzten Jahren stetig, vor allem durch hohe Investitionen in Bildung, Digitalisierung und Infrastruktur. Bemängelt werden lediglich die Erhöhung von Lohnabgaben sowie der allgemein herrschende Arbeitskräftemangel. Die Stimmung in den meisten Ländern des Ostens ist jedoch gut, es herrscht Optimismus: 95 Prozent der deutschen Unternehmen in Ungarn sind beispielsweise sehr zufrieden. Orbán hat den Haushalt saniert, Wirtschaftlich steht Ungarn mittlerweile wieder gut da, das funktioniert und führt zur Stabilität und Wachstum.
Die negative Presse täuscht also oft. Denn über Erfolge in der Wirtschaft wird selten gesprochen. Während für Unternehmer die vollen Auftragsbücher und die gute Wirtschaftslage wichtig sind, geht es bei Politikern vor allem um die europäischen Werte. Dabei verzeichnet zum Beispiel Tschechien eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Europa und mehr als vier Prozent Wirtschaftswachstum.

Vor allem der deutsche Mittelstand fühlt sich in Osteuropa wohl. Sie müssen sich vor ihren Aktionären nicht für das politische Klima rechtfertigen. Harte Standortfaktoren sind ihnen wichtiger als die politische Ideologie. Jan Mainka, Chefredakteur der deutschsprachigen „Budapester Zeitung“, ist sich sicher: „Wenn deutsche Unternehmer wählen könnten, würden 90 Prozent für Orbán stimmen.“ Uwe Schneider-Kühn, Abteilungsleiter bei Siebtechnik und seit Jahrzehnten im Ungarn-Geschäft sagt: „Außen-politisch mag Orbán schwierig sein. Seine Wirtschaftspolitik aber ist sehr gut.“ Insgesamt ist die Zufriedenheit also so hoch wie noch nie. Orbán ist in ihren Augen nicht der Schurke, der er im Westen gerne dargestellt wird. Vielmehr wird er als Demokrat gesehen, die Belehrungen des Westens werden hingegen als Arroganz verstanden. Das ist auch der Grund warum der ungarische Ministerpräsident neue Verbündete sucht: Die Visegrad-Staaten bilden nun gemeinsam mit Österreich eine Allianz. Das ist die neue Realität, die neue Zeitrechnung.

Den gesamten Artikel finden Sie hier:
http://www.wiwo.de/my/politik/europa/deutsche-firmen-in-osteuropa-geschaefte-machen-beim-europafeind/20903608.html

 

DUWN – Ende des aktuellen Kreditzyklus- was passiert dann?

DUWN – von Christoph Hermesmeier und Balázs Türk mit „Futter für Gedanken“

Der Autor und Wirtschaftsberater Daniel Stelter, auch bekannt durch das Buch die „Eiszeit in der Weltwirtschaft“ (ISBN-10: 3593505142) oder durch die regelmäßigen Kolumnen „stelter-strategisch“ in der Wirtschaftswoche und auf der Website https://think-beyondtheobvious.com/ schreibt in der aktuellen Kolumne in der Wirtschaftswoche, dass der aktuelle Kreditzyklus langsam zum Ende kommen könnte (http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/stelter-strategisch-ein-letztes-hurra-zumende-des-bullenmarktes/20194370.html).

Er sieht grundsätzliche Zinserhöhung in den USA sowie Maßnahmen der EZB, die den Kauf von Staatsanleihen einschränkt, als Kontraktion. Auch im Hinblick auf China, mittlerweile ein wesentlicher Akteur der Weltwirtschaft, gibt es eine Entwicklung in der das Kreditwachstum sich deutlich verlangsamt.

Unser derzeitiges kapitalistisches Wirtschaftssystem basiert auf dem Schuld- oder Kreditgeld, welches durch keine Werte (z.B. Gold, wie beim sog. Warengeld) gedeckt ist. Nur durch den Zinssatz und die Erzeugung von neuen Schulden durch die Zentral- und Geschäftsbanken wird die Schuldgeldmenge gesteuert (=> Geldschöpfung).

Das heißt, dass die Wirtschaft nur wachsen kann, wenn die Geldmenge steigt. Die Geldmenge in einem Kreditgeldsystem kann aber nur wachsen, wenn die Verschuldung weiter steigt. Aus der Vergangenheit kennt man, dass es immer Kreditzyklen gab, die einen Boom entfacht haben und zum Schluss zum Erliegen kamen, worauf eine Rezession entstand.

Aktuell leben wir in einem besonderen Kreditboom, der auf einer Nullzinspolitik aller wesentlichen Zentralbanken (USA, Eurozone, Japan, Großbritannien sowie der Schweiz) basiert. Das untypische an dem aktuellen Kreditboom ist, dass er in der Realwirtschaft nicht angekommen ist. Das heißt die Investitionsaktivität der Wirtschaft konnte trotz Nullzinspolitik nicht signifikant gesteigert werden. Vielmehr ist dieser Kreditboom in die unproduktiven Sektoren wie Immobilien und Kapitalmärkte (Firmenübernahmen wie Monsanto durch Bayer) geflossen, wo die Preise für Vermögenswerte gestiegen sind. Es wurden aber kaum neue Kapazitäten z.B. in der Industrie geschaffen, wodurch Wertschöpfung und Wohlstand entstehen kann. Durch die Preissteigerungen bei den Vermögenswerten hat es einen Vermögenseffekt gegeben, der zunächst erst mal eine weitere Zunahme der Schuldung zulässt, da auch die Beleihungswerte mit gestiegen sind.

Weiterhin ist die weltweite Verschuldung seit der letzten Finanzkrise in den Jahren 2008 signifikant gestiegen. Siehe dazu auch die beigefügte Grafik.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Auf der einen Seite wird die Kreditnachfrage zurück gehen und reale Zinssenkungen der Zentralbanken zur Stimulierung der Kreditnachfrage sind kaum noch möglich, es sei denn man muss weitere dramatische, fast schon diktatorische, aus dem Sozialismus bekannte Zwangsmaßnahmen, wie die strikte Bargeldbewirtschaftung bis hin zur Bargeldabschaffung umsetzen, damit Negativzinsen von 2, 3 oder gar 5% eingeführt werden können ohne dass die Wirtschaftssubjekte ausweichen können.

Auf der anderen Seite ist die Verschuldung in der gesamten westlichen Welt und auch in China in den Bereichen Staat, private Wirtschaft und private Haushalte schon so hoch, dass die meisten Schuldner keine weiteren Schulden in der Form verkraften können, dass sie die Zinsen und die notwendige Tilgung für weitere Schulden entrichten können sowie eine ausreichende Bonität vorweisen. Zum anderen finden Investoren kaum noch Möglichkeiten, im produktiven Sektor zu investieren, um eine ausreichende Rendite für Zins, Tilgung und Abschreibung zu erzielen. Daher sieht man auch in den letzten Jahren, dass große Mengen von Kreditgeld in die Immobilienmärkte, Aktien und besonders Anleihemärkte geflossen sind und hier immer neue Rekordpreise erzielt wurden.

Quelle: wohnungsboerse.net

Wenn die Privatwirtschaft keine weitere Verschuldung nachfragt wird das Wirtschaftswachstum sinken und die Wirtschaft könnte sogar schrumpfen. Daher wird dann der Staat ähnlich wie in den Jahren 2009 und 2010 Konjunkturpakete schnüren um Investitionen z.B. in die Infrastruktur (= produktive Maßnahme) oder geförderten Konsum der Privathaushalte wie die sogenannte „Umweltprämie“, bei der funktionstüchtige Autos aus dem Markt genommen wurden
(= Volkswirtschaftliches Vermögen in Form von funktionsfähigen Autos wird vernichtet, um kurzfristig Nachfrage von Autos zu generieren = unproduktiv Maßnahme) zu fördern.

Staatliche Konjunkturpakete sind sicherlich eine Möglichkeit um Kredite nachzufragen, wobei die Verschuldung, gerade in Staaten Südeuropas schon sehr hoch ist, wodurch die weitere Verschuldung auf ihre Grenzen stößt. Zudem hat der europäische Bankensektor einen sehr hohen Anteil fauler Kredite und möchte eigentlich keine neuen Kredite und deren Risiken geben bzw. eingehen.

Wenn nun kein frisches Geld in den Kredit- und Geldkreislauf fließ, ist zu befürchten, dass viele Gläubiger von ihren Schuldnern eine Rückzahlung der Kredite verlangen bzw. viele Gläubiger sind bei anderen Institutionen auch Schuldner und sie müssen ihre Forderung einziehen, damit sie ihren eigenen Verbindlichkeiten nachkommen können. Dies Phänomen sieht man immer wieder in Abschwüngen der Wirtschaft.

In der Folge entsteht eine Kontraktion des Kredit- und Geldmarktes. Zinssenkungen der Zentralbank werden, wie oben beschrieben, keine große Wirkung mehr entfachen können, da die Zinsen sowieso schon fast bei 0% sind (=> Liquiditätsfalle). Zudem würden zu niedrige Preise für das Verleihen von Kapital (=> Zins) zu einer weiteren Fehlallokation von Kapital in unproduktive

Vermögensgegenstände, wie Immobilien und Aktien, führen. Investoren würden neues Kreditgeld für Investitionen z.B. in Immobilien verwenden. Hierbei geht es in erster Linie dann nicht mehr um langfristig Mieterträge zu erhalten, sondern vielmehr dass die Immobilien zumindest ihren Wert halten und dass die Kreditaufnahme durch einen negativen Zinssatz quasi belohnt wird, sodass ein Vermieter in dieser Logik auf Mieterträge verzichten könnte. Dieses Verhalten wird auch nur kurzfristig funktionieren, aber langfristig werden neue Bauvorhaben am Bedarf vorbei, entstehen. Dies sind typische Merkmale von überzogenen Spekulationsblasen, wo keine wirklichen Werte hinter einer Investition stehen. Es wird kein echter „Mehrwert“ geschaffen.

Es wird mindestens zwei Fehlentwicklungen geben. Ersten, das neue Kapital fließt in falsche Vorhaben, weil sie langfristig nicht durch einen wirklichen Wert gedeckt sind und zweitens wird ihre Rendite, weil am Markt vorbei investiert wird, zu niedrig sein um letztlich Zinsen und Tilgung zu erwirtschaften.

Es wird eine spannende Zeit auf die Wirtschaft zukommen. Hier werden weitsichtige unternehmerische sowie strategische Entscheidungen von Nöten sein. Der Deutsch-Ungarische Unternehmerclub sollte hierzu auch Szenarien diskutieren, um für die Zukunft gewappnet zu sein.

DUWN – Lohnwunder in Ungarn – Teil IV. Produktivität oder Stagnation

Die entscheidende Frage ist jedoch: Kann Ungarn die Produktivität ebenfalls nachziehen und damit die höheren Gehälter rechtfertigen? Schon einmal gab es zwischen 2001 und 2006 Übertreibungen die das Land in eine schwierige Lage brachten. Auch laut Analysten liegt Ungarn mit den Lohnerhöhungen über dem Niveau, das von der gesamtwirtschaftlichen Produktivität her gerechtfertigt wäre. Daher sollte die Produktivität gesteigert werden. Die nächsten Jahre ist in Ungarn mit weiteren Lohnsteigerungen und mit einem Wirtschaftswachstum über 3% zu rechnen. Danach ergeben sich zwei Szenarien: Die ungarischen Unternehmen modernisieren und steigern durch Investitionen die Produktivität. Diese Dynamik würde sich dann nachhaltig fortsetzten. Dagegen sprechen aber im Moment häufige impulsartige politische Entscheidungen sowie der leistungsschwacher Staatssektor. In einem pessimistischem Scenario wiederholten sich aber die Fehlentwicklungen der letzten Jahre. Der Lohnwunder würde zwar einen Konsumboom verursachen, die Modernisierung der Wirtschaft bliebe jedoch aus. Es würde zu langfristigen Verwerfungen in der Leistungsbilanz kommen, mit Folgen einer wirtschaftlichen Stagnation. Die Löhne müssen also langfristig mit der Produktivität übereinstimmen.

DUWN – Lohnwunder in Ungarn – Teil III. Folgen für Unternehmen

Was für Arbeitnehmer willkommen ist, bereitet den Unternehmen große Probleme. Vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen stehen unter Druck, da sie nicht wissen wie sie mit der 10% Lohnkostenerhöhung zurecht kommen sollen. Die Regierung hat zwar die Sozialabgaben mit 7,5 Prozentpunkte gesenkt, diese Entlastungen kompensieren aber nur einen Drittel der Lohnsteigerungen. Vor allem in der Niedriglohn-Branche ist dadurch der Abbau von Arbeitsplätzen zu erwarten. Exportorientierte Unternehmen werden hingegen ihre Gewinnmargen senken müssen, da sie die Preise im internationalen Geschäft nicht erhöhen können. Kleinunternehmen könnten durch diesen Lohndruck in der Praxis einen Teil der Löhne einfach schwarz auszahlen.

DUWN – Lohnwunder in Ungarn – Teil II. Arbeitskräfteknappheit

Seit einiger Zeit herrscht in Ungarn ein Mangel an Arbeitskräften. Unternehmen müssen somit höhere Löhne bieten um an geeignetes Personal zu kommen. Bereits im Jahr 2016 stiegen dadurch die Durchschnittslöhne real um 6% und das ohne Einwirkung seitens der Politik. Der Arbeitskräftemangel ist also durchaus real. Unternehmen nennen diesen bereits als eines der wichtigsten Faktore warum sie ihre Geschäftstätigkeit nicht ausweiten können (neben hohe Lohnnebenkosten). Das Thema Fachkräftemangel ist in nahezu allen Ländern des Ostens allgegenwertig. Besonders in den Visegrad-Ländern hat sich die Arbeitslosigkeit in der jüngeren Vergangenheit erheblich verringert (Polen 4,8%, Tschechien 3,2%, Ungarn 4,3%).

DUWN – Lohnwunder in Ungarn – Teil I. Lohnerhöhungen

Die Arbeitskräfteknappheit sowie politische Vorgaben führten in Ungarn in der jüngster Zeit zu starken Lohnerhöhungen. Durchschnittlich 12,8% mehr verdienten die Ungarn in März 2017 verglichen zum Vorjahr. Dies bedeutet eine reale Erhöhung von rund 10% bei der derzeitigen Inflation von 2%. Ein gutes Zeichen in Ungarn, liegt doch der Durchschnittslohn immer noch bei niedrigen 310.000 Forint (ca. 1050 Euro). Eine große Rolle hierbei spielten vor allem die Erhöhungen des Mindestlohns um 15% sowie des garantierten Mindestlohns um 25%, sowie die Lohnanpassungen im öffentlichen und staatlichem Sektor. Das Lohnwachstum ist somit in Ungarn noch signifikanter als in den anderen Visegrad-Staaten (Slowakei, Tschechien und Polen), die ebenfalls gute Wirschaftsergebnisse erzielten.