DUWN – Abschottung gegen osteuropäische Unternehmen – Neue Entsenderichtlinie

Abschottung gegen osteuropäische Unternehmen – Eine unsichtbare Mauer entsteht in Europa

Für die Gewerkschaften in Westeuropa ist dies ein großer Erfolg. Das EU-Parlament beschloss vor wenigen Tagen eine Verschärfung der „Entsenderichtlinie“, mit der Mauern gegen Arbeitnehmer aus Osteuropa errichtet werden. Angestellte und Arbeiter eines Unternehmens, die in einem EU-Land ansässig ist, sollen ab 2020 nur in einem anderen EU-Land arbeiten dürfen, wenn sie die gleichen Löhne und Gehälter bekommen wie die Arbeitnehmer des Gastlands. Die Hoffnung ist groß, dass somit endlich das vermeintliche Lohndumping gestoppt werden kann. Die Praxis sieht aber anders aus. Hinzu kommt die in Kauf genommene Desintegration Europas: denn ein Grundsatz der EU wird über Bord geworfen, die Bewegungsfreiheit der Unternehmen im Binnenmarkt somit beendet.

(Unterschieden wird hier zwischen Personen, die eigenständig eine Stelle im Ausland suchen, bzw. die von Firmen entsendet werden. Die neue Regelung betrifft nur letztere.).

Auch bisher mussten Arbeitnehmer ausländischer Firmen den Mindestlohn erhalten. Damit galten gesetzliche Regelungen sowie Tarifverträge auch für diese Gruppe. Die Verschärfung sieht vor, dass nun auch Lohnbestandteile zu zahlen sind, die über die Regelungen hinausgehen, wenn eine gleichartige Arbeit geleistet wird. Zudem müssen die An- und Abfahrtkosten ersetzt werden.

Das klingt zunächst sehr gerecht, bringt aber auch einige Probleme mit sich:

  • Eine weitere Bürokratie, die Unternehmen bremst, wird aufgebaut.
  • Wer entscheidet, was „gleichartige“ Arbeit ist? Wer stellt fest, welche Überzahlungen gem. Marksituation geleistet werden müssen?
  • Aus ähnlichen, bereits bestehenden Regelungen sind negative Folgen bekannt: Gesetze werden von Arbeitsmarktverwaltung und Sozialversicherung genutzt, um Bezahlungsregeln aufzustellen, die in den heimischen Unternehmen, die man leicht erreichen kann, angewandt werden müssen. Bei Nichteinhaltung der Regeln gibt es enorme Strafen.
  • Ausländische Unternehmen bleiben meist unerreichbar. Behörden werden ausländische Firmen schwer überprüfen können.

Es geht um den guten Zweck, den Kampf gegen Lohndumping.  Dies nützt den nationalen Arbeitskräften aber nicht.

Die Investition vieler Projekte kommt nur unter der Voraussetzung zustande, dass billigeren ausländischen Unternehmen eingesetzt werden können. Können Kostenentlastungen durch ausländische Anbieter nicht erfolgen, werden Pläne nicht ungesetzt und auch inländische Unternehmen verlieren Aufträge.

Die sogenannte „Kohäsion“ leidet auch unter der neuen Regelung. Arbeit im westeuropäischen EU-Ausland hat im Osten besondere, volkswirtschaftliche Bedeutung. Der Einsatz von ausländischen Unternehmen leistet somit einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung. Die EU sollte also die Entsendung von Arbeitnehmern in reichere Staaten erleichtern und nicht behindern. Somit könnten die von der Brüsseler Zentrale aus verwalteten 40 bis 50 Milliarden Euro Hilfsgelder gestrichen werden, Mitgliedstaaten könnten entsprechend weniger nach Brüssel zahlen um Schulden und Defizite begleichen zu können.

Aber auch der Vergleich zwischen Löhnen der lokalen bzw. entsendeten Arbeitnehmer geht nicht auf:

  • Da es keine EU-Regeln für Lohn- und Einkommensteuer und Sozialversicherung gibt, zahlen die Unternehmen Abgaben für die Entsendeten in den Heimatländern.
  • Die Entsenderichtlinie bezieht sich nur auf Löhne, Gehälter, Zulagen und Reisekosten.
  • In Polen beträgt z.B. die Staatsquote aus Steuern und Abgaben knapp über 40 Prozent, in Frankreich deutlich über 50 Prozent.
  • Den Entsendeten Arbeitern würde hier also netto mehr bleiben als den französischen Kollegen.

Der Grundgedanke der Entsenderichtlinie ist also falsch: Es geht davon aus, dass das Lohnniveau vorgegeben sei und für alle gelte.

  • Arbeitsverhältnisse wandeln sich. Die klassischen 40-Stunden-Jobs werden weniger. Bevorzugt werden projektbezogenen Beschäftigungen und variable Arbeitszeiten sowie differenzierten Entlohnungen.
  • Es gibt keine klar definierten Mindestlöhne innerhalb eines Landes. In stark wachsenden Zentren wird mehr bezahlt als in schwächeren Zonen.
  • Im Ausland Arbeitende Personen üben Druck aus auf das Lohnniveau im Heimatland

Die Entsenderichtlinie demonstriert ein Misstrauen gegenüber dem Markt und bevorzugt damit die bürokratische Regulierung. Es geht dabei um etwa 1,3 Millionen Personen. Angesichts der 227,6 Millionen Erwerbstätigen in der EU sind das gerade mal 0,57 Prozent.

 

 

Ungarn ist kein Auswanderungsland – Eurostat 2017.

Der Anteil der im Ausland arbeitenden Ungarn ist gering: laut statistisches Amt des EU arbeiten 5,2 Prozent der 20-64 jährigen in anderen Unionsländern. Das sind 325 Tausend Ungarn laut Eurostat. Dieser Anteil ist nur in den westlichen Ländern niedriger.

Bei den Parlamentswahlen in April hatten die Oppositionsparteien behauptet, Arbeitnehmer würden aus Ungarn fliehen. Die Daten von Eurostat zeigen deutlich, dass dies nicht der Fall ist, denn von 28 Mitgliedstaaten belegt Ungarn Platz 13. Das bedeutet, dass in 12 Mitgliedstaaten die Abwanderungsquote auf dem Arbeitsmarkt höher ist. Der Durschnitt beträgt 3,8 Prozent.
Von den 325 Tausend Arbeitnehmern leben nicht alle im Ausland, viele pendeln auch, oder haben Zeitverträge. Unter den Visegrad-Staaten hat nur Tschechien eine niedrigere Quote.

DUWN – „Der Forint liegt am Boden“ – Stimmungsschwankungen am internationalen Finanzmarkt

„Der Forint liegt am Boden“ – sowohl Medien als auch Analysten gebrauchen gerne Formulierungen dieser Art, vor allem wenn der ungarische Zahlungsmittel nach langen Jahren der Stabilität schwächelt. Experten sind sich aber sicher: es gibt keinen Grund für Panik, obwohl gerade etwas Ungewöhnliches passiert.

Am 21. Mai erreichte der Forint seinen zweijährigen Tiefpunkt – ein Euro kostete rund 319,26 Forint. Dies war auch deshalb ungewöhnlich, weil sich die Währung in Jahren zuvor um 310 recht lange stabil festigte.

Warum also schwächelt der Forint?

Es gibt Situationen indem der jeweilige Wechselkurs den Zustand des Staates wiederspiegelt. Die jetzige Situation ist anders. Die Gründe für die Schwäche des Forints findet man außerhalb des Marktes.

Innerhalb der Region verloren der polnische Zloty als auch die Tschechische Krone ebenfalls an Wert. Ein wichtiger Grund für dieses Phänomen ist die Tatsache das Anleger Devisen der Eurozone sowie der amerikanischen Wirtschaft wesentlich attraktiver halten als Devisen sich entwickelnder Staaten. Daher lohnt es sich für sie auch mehr ihre Gelder in diese zu investieren.

Davon unabhängig könnte aber die Ungarische Nationalbank (MNB) diese Entwicklung leicht beeinflussen, damit der Forint nicht weiter an Wert verliert. Die zur Verfügung stehenden Mittel hierzu wären die Erhöhung des Leitzinses oder kurze Mitteilungen zur Beruhigung des Marktes. In ihrer letzten Mitteilung sagte die MNB jedoch nur, es gäbe „starke Stimmungsschwankungen“ am internationalen Finanzmarkt. Der Markt hatte hier eine wesentlich signifikantere Rückmeldung erwartet, damit verlor der Forint nach der Mitteilung weiter an Wert.

Der schwache Forint bedeutet Probleme für all die, die Importwaren kaufen, sowie die ihre Kredite in Devisen (wie Euro oder Schweizer Franken) tilgen.

Auch die Benzinpreise werden steigen, diese werden ebenfalls zum Teil von den Wechselkursen gesteuert.

Auch Urlauber werden durch die Änderung beeinflusst. Vor allem wenn sie nicht vorher reserviert hatten. Das bei vielen beliebte Ziel Kroatien hat hier mit der Kuna eine wesentlich stärkere Währung als der heimische Forint.

Wem nützt der schwache Forint?

Oft werden hier Export orientierte Unternehmen genannt. Jedoch macht der größte Teil der Export Unternehmen in Ungarn ihre Geschäfte in Euro (z.B. Mercedes oder Audi), hier spielt der Wechselkurs der Forint keine wesentliche Rolle. Rein ungarische Exportunternehmen freuen sich nur selten über den schwachen Forint, da sie ihre Rohmaterialien aus dem Ausland kaufen.

Den gesamten Artikel finden Sie hier:
http://hvg.hu/gazdasag/20180523_forintarfolyam_mnb_deviza_forint

III. Startup Budapest Forum | Budapest am 28.03.2018

Die öffentliche Stiftung Budapester Unternehmensentwicklung (BVK) veranstaltete am 28.03.2018 zum dritten Mal das Startup Budapest Forum im Budapester „Bálna“, als Teil der Veranstaltungsreihe „Startup Budapest Frühling“. Auf der Veranstaltung nahmen die Gewinner des V4 EYES 2.0 Wettbewerbs, der als Teil des offiziellen Fachprogramms der ungarischen V4 Vorstand und der BVK 7. Be Smart Startup veranstaltet wurde, ihre Urkunden entgegen.

Die 7. Be Smart Gewinner können sich damit in Lissabon, Madrid sowie auf der think.BDPST vorstellen. Die V4 EYES Gewinner können in den Hauptstädten der V4 Länder Beziehungen aufbauen und die örtlichen Startup-Ökosysteme kennenlernen.

Laut Umfrage des letzten Eurostat belegt Ungarn den 3. Platz in der Union im Bereich schnell wachsende Unternehmen, die Zahl der Unternehmen die ernsthafte Erfolge aufzeigen können, wächst stetig. Die Region Mittel-Ungarn steht nach den Daten des Beschäftigungswachstums von 2016 auf Platz 7 – sagte Szalai Piroska, Vorsitzende des BVK Kuratoriums.

Ziel der Regierung der Hauptstadt Budapest ist jungen Unternehmern, die dort lernen, leben und ihre Zukunft dort planen, so viel Inspiration und Impulse wie nur möglich zu geben. Wir sind bestrebt unsere Hauptstadt zum Innovationszentrum Ost-Europas zu machen – sagte Dr. Szeneczey Balazs, der Stellvertretender Oberbürgermeister.

Varju Krisztina, Beauftragte des Ministeriums für Außenwirtschaft und Äußeres im Zusammenhang der V4-Mitgliedschaft Ungarns sagte: Es ist unser Ziel, während des ungarischen V4 Vorstands dazu beizutragen, unsere Region mit europäischen Fokus, aber auch mit deutlichen regionalen Zielen zu unterstützen. Damit Mitteleuropa auf das digitale Zeitalter vorbereitet, auch global ihre Wettbewerbsfähigkeit als Mittel-Europa weiter stärken kann.

 

DUWN – Ungarn holt Goldreserven aus London nach Hause

Die Goldreserven des Landes sind nach Ungarn zurückgekehrt. insgesamt 100 Tausend Unzen (etwa 3 Tonnen) Edelmetall wurden aus London nach Budapest zurückgebracht. Die Rückbringung des Goldes in Wert von etwa 130 Millionen Dollar wurde einstimmig von der Leitung der Ungarischen Nationalbank (Magyar Nemzeti Bank) beschlossen. Nach Einschätzung der ungarischen Notenbank könnte der Besitz der Goldreserven innerhalb des eigenen Landes – ein Schritt in Übereinstimmung mit aktuellen internationalen Trends –  das Vertrauen in die ungarischen Märkte weiter stärken. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Länder beschlossen ihre Goldreserven nach Hause zu holen. Die Lagerung der Reserven im Ausland wurde von immer mehr Notenbanken als zu riskant eingestuft: So entschied in der nahen Vergangenheit unter anderem die niederländische, deutsche sowie österreichische Notenbank ihre Goldreserven zu einem Teil nach Hause zu holen. Der Ort der Lagerung wurde zum wichtigen Aspekt, vor allem im Bezug auf Sicherheit, auch im Falle Geopolitischer Krisen.
Die ungarische Notenbank verfügt seit ihrer Gründung im Jahre 1924 über Goldreserven. Die Menge dieser stieg kontinuierlich bis zum II. Weltkrieg, zu dessen Ende hin die ungarische Nationalbank MNB im Januar 1945 etwa 30 Tonnen an Goldbarren sowie Goldmünzen mit dem „Goldzug“ nach Spital am Pyhrn in Österreich brachte. Diese Menge wurde nach dem Krieg 1946, vollständig zurückgeholt. Aus den zur Verfügung stehenden Daten weiß man, dass diese Menge in der ersten Hälfte der 70er Jahre sich bis auf 65-70 Tonnen erhöhte, bis 1989 aber auf etwa 50 Tonnen fiel.

In der Zeit nach der Auflösung des Bretton Woods Golddevisen-Systems wurden die Änderungen der Reserven aus der Sicht von Investitions- und Spekulationserwägungen gesteuert. Ende der 1980-er Jahre entschied die MNB die Reserven auf ein Minimum zu senken. In der Praxis bedeutete dies die Reduzierung des Goldes innerhalb kürzester Zeit auf 10 Tonnen. Der heutige, reduzierte Stand von etwa 3 Tonnen besteht bereits seit 1992.

Für den Verkauf der Reserven Anfang der 90-er Jahre erhielt die MNB ausländische Devisen, die sie damals für sicherer, liquider hielt und mit der sie in ausländische Staatspapiere mit höheren Renditen investierte. Die Wirtschaftskrise 2008 veränderte das Verhalten der Notenbanken bezüglich Goldreserven grundsätzlich. Gold dient nun nicht mehr nur als Investitionsmittel der Notenbanken, sondern auch als strategisches Mittel, das geeignet ist das Vertrauen des Landes im In- sowie Ausland zu stärken. Somit spielen die Reserven auch eine immer größere wirtschaftsstrategische Rolle. Dazu passt der jetzige Schritt der MNB die Goldreserven zurückzuholen.

Autobahnbau in Ungarn – Pläne bis 2022

Bis 2022 könnte sich die Anzahl der Grenzübergänge, zu denen Autobahnen führen, verdoppeln

In der Vergangenheit beschloss die ungarische Regierung den Bau von insg. 900 km Schnellverkehrstrassen, damit werden bis 2022 insgesamt 2500 Milliarden Forint (8,4 Milliarden EUR) für öffentliche Strassen ausgegeben.

In den vergangenen 20 Jahren wurden bereits sechs Grenzübergänge mit Schnellverkehrstrassen errichtet, diese Zahl könnte sich bis 2022 verdoppeln. 1996 wurde mit der M1 die erste Autobahn mit Grenzübergang (Hegyeshalom) eröffnet. Zusätzlich zu Österreich verfügt Ungarn zur Zeit, über fünf weiteren Grenzübergängen mit Autobahnzugang. Zur Slowakei (M15), Rumänien (M43), Kroatien (M7) und Slowenien (M70).

Schnellstrassen werden auch im Moment bis zu den Grenzen gebaut. Die 30 km Strecke der M4 von Berettyóújfalu bis Nagykereki wird Anfanf 2020 fertig. Mit der Verlängerung der M35 auf ungarischer Seite entsteht die Verbindung zwischen Debrecen und Nagyvárad. Somit kann man dann aus Siebenbürgen auf der Strecke M4-M35-M3 Budapest und damit Westeuropa schneller als je zuvor erreichen.

Ende letzten Jahres wurde in Richtung Kosice die Strecke M30 wischen Tornyosnémeti und der Grenze fertiggestellt, von hier aus wird dieses Jahr die Schnellstrasse Richtung Miskolc gebaut. Durch die Investition wird die Lage der Region Miskolc-Košice (mit über eine Million Einwohnern) wesentlich verbessert. Sollten die M4, M30 sowie die M35 fertig sein, wird der ungarische Teil der Via Carpatia, die die östlichen Regionen Polens, der Slowakei und Ungarns mit den Seehäfen verbindet, vollständig zur Verfügung stehen.

Richtung Österreich werden der Grenze entlang die M8 und M85 fertiggestellt. Richtung Kroatien ist die Sache ein wenig schwieriger, da hier die Strecke M6 zwischen Bóly und der Landesgrenze auch von der EU mitfinanziert wird und hier noch Umweltschutz relevante Erlaubnisse fehlen. Die Summe der geplanten Bauten beträgt hier 60 Milliarden Forint (200 Millionen EUR), die Strecke soll in der zweiten Jahreshälfte 2020 fertig werden.

Vorbereitungsarbeiten zur Bau der Strecke der M3 zwischen Vásárosnamény und Beregdaróc (Landesgrenze) laufen bereits. Diese Strecke soll Anfang 2021 fertig werden.

Die M2 Schnellstrasse zwischen Budapest und Vác wird bereits gebaut, die Kosten hier betragen netto 39,3 Milliarden Forint (130 Millionen EUR), Fertigstellung ist geplant für Sommer 2019. Im Falle der 50 km langen Strecke Vác-Hont (Landesgrenze) laufen die Vorbereitungen bereits. Hier könnten die Probleme eher finanzieller Natur sein, da das schwierige Gelände hier die Kosten stark erhöht mit mindestens 450 Milliarden Forint (1,5 Milliarden EUR).

DUWN – Osteuropa aus der Sicht deutscher Unternehmer

Obwohl in Budapest, Prag und Warschau im Moment Nationalisten regieren, erfreuen sich deutsche Firmen an dem wirtschaftsfreundlichen Kurs dieser sogenannten Europafeinde und schätzen diese Standorte. Die Erfahrungen der meisten Unternehmer sind überaus positiv und stehen konträr zu den Geschichten aus Osteuropa die in jüngster Zeit in Deutschland zu hören sind. Diese klingen meistens einheitlich nach Rechtspopulismus, Nationalismus und Europafeindlichkeit. Sie erzählen von der Abschaffung der Pressefreiheit, Abbau der Rechtstaatlichkeit. Fremdenfeindlichkeit und Grenzzäunen. Die Visegrad-Staaten scheinen drei Jahrzehnte nach der Wende vergessen zu haben wofür die Europäische Union steht.
Schurken im Osten, vorzeige Demokraten im Westen also? Fragt man deutsche Manager und Unternehmer im Osten, ist das so nicht ganz korrekt. Viele lehnen die aus dem Westen kommenden Belehrungen ab, blicken dabei mehr auf Bilanzen als auf Kennziffern der Demokratie. Denn die Geschäfte im Osten laufen bestens. Die Qualität der Arbeit sowie der Produkte stieg in den letzten Jahren stetig, vor allem durch hohe Investitionen in Bildung, Digitalisierung und Infrastruktur. Bemängelt werden lediglich die Erhöhung von Lohnabgaben sowie der allgemein herrschende Arbeitskräftemangel. Die Stimmung in den meisten Ländern des Ostens ist jedoch gut, es herrscht Optimismus: 95 Prozent der deutschen Unternehmen in Ungarn sind beispielsweise sehr zufrieden. Orbán hat den Haushalt saniert, Wirtschaftlich steht Ungarn mittlerweile wieder gut da, das funktioniert und führt zur Stabilität und Wachstum.
Die negative Presse täuscht also oft. Denn über Erfolge in der Wirtschaft wird selten gesprochen. Während für Unternehmer die vollen Auftragsbücher und die gute Wirtschaftslage wichtig sind, geht es bei Politikern vor allem um die europäischen Werte. Dabei verzeichnet zum Beispiel Tschechien eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Europa und mehr als vier Prozent Wirtschaftswachstum.

Vor allem der deutsche Mittelstand fühlt sich in Osteuropa wohl. Sie müssen sich vor ihren Aktionären nicht für das politische Klima rechtfertigen. Harte Standortfaktoren sind ihnen wichtiger als die politische Ideologie. Jan Mainka, Chefredakteur der deutschsprachigen „Budapester Zeitung“, ist sich sicher: „Wenn deutsche Unternehmer wählen könnten, würden 90 Prozent für Orbán stimmen.“ Uwe Schneider-Kühn, Abteilungsleiter bei Siebtechnik und seit Jahrzehnten im Ungarn-Geschäft sagt: „Außen-politisch mag Orbán schwierig sein. Seine Wirtschaftspolitik aber ist sehr gut.“ Insgesamt ist die Zufriedenheit also so hoch wie noch nie. Orbán ist in ihren Augen nicht der Schurke, der er im Westen gerne dargestellt wird. Vielmehr wird er als Demokrat gesehen, die Belehrungen des Westens werden hingegen als Arroganz verstanden. Das ist auch der Grund warum der ungarische Ministerpräsident neue Verbündete sucht: Die Visegrad-Staaten bilden nun gemeinsam mit Österreich eine Allianz. Das ist die neue Realität, die neue Zeitrechnung.

Den gesamten Artikel finden Sie hier:
http://www.wiwo.de/my/politik/europa/deutsche-firmen-in-osteuropa-geschaefte-machen-beim-europafeind/20903608.html

 

DUWN – Ende des aktuellen Kreditzyklus- was passiert dann?

DUWN – von Christoph Hermesmeier und Balázs Türk mit „Futter für Gedanken“

Der Autor und Wirtschaftsberater Daniel Stelter, auch bekannt durch das Buch die „Eiszeit in der Weltwirtschaft“ (ISBN-10: 3593505142) oder durch die regelmäßigen Kolumnen „stelter-strategisch“ in der Wirtschaftswoche und auf der Website https://think-beyondtheobvious.com/ schreibt in der aktuellen Kolumne in der Wirtschaftswoche, dass der aktuelle Kreditzyklus langsam zum Ende kommen könnte (http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/stelter-strategisch-ein-letztes-hurra-zumende-des-bullenmarktes/20194370.html).

Er sieht grundsätzliche Zinserhöhung in den USA sowie Maßnahmen der EZB, die den Kauf von Staatsanleihen einschränkt, als Kontraktion. Auch im Hinblick auf China, mittlerweile ein wesentlicher Akteur der Weltwirtschaft, gibt es eine Entwicklung in der das Kreditwachstum sich deutlich verlangsamt.

Unser derzeitiges kapitalistisches Wirtschaftssystem basiert auf dem Schuld- oder Kreditgeld, welches durch keine Werte (z.B. Gold, wie beim sog. Warengeld) gedeckt ist. Nur durch den Zinssatz und die Erzeugung von neuen Schulden durch die Zentral- und Geschäftsbanken wird die Schuldgeldmenge gesteuert (=> Geldschöpfung).

Das heißt, dass die Wirtschaft nur wachsen kann, wenn die Geldmenge steigt. Die Geldmenge in einem Kreditgeldsystem kann aber nur wachsen, wenn die Verschuldung weiter steigt. Aus der Vergangenheit kennt man, dass es immer Kreditzyklen gab, die einen Boom entfacht haben und zum Schluss zum Erliegen kamen, worauf eine Rezession entstand.

Aktuell leben wir in einem besonderen Kreditboom, der auf einer Nullzinspolitik aller wesentlichen Zentralbanken (USA, Eurozone, Japan, Großbritannien sowie der Schweiz) basiert. Das untypische an dem aktuellen Kreditboom ist, dass er in der Realwirtschaft nicht angekommen ist. Das heißt die Investitionsaktivität der Wirtschaft konnte trotz Nullzinspolitik nicht signifikant gesteigert werden. Vielmehr ist dieser Kreditboom in die unproduktiven Sektoren wie Immobilien und Kapitalmärkte (Firmenübernahmen wie Monsanto durch Bayer) geflossen, wo die Preise für Vermögenswerte gestiegen sind. Es wurden aber kaum neue Kapazitäten z.B. in der Industrie geschaffen, wodurch Wertschöpfung und Wohlstand entstehen kann. Durch die Preissteigerungen bei den Vermögenswerten hat es einen Vermögenseffekt gegeben, der zunächst erst mal eine weitere Zunahme der Schuldung zulässt, da auch die Beleihungswerte mit gestiegen sind.

Weiterhin ist die weltweite Verschuldung seit der letzten Finanzkrise in den Jahren 2008 signifikant gestiegen. Siehe dazu auch die beigefügte Grafik.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Auf der einen Seite wird die Kreditnachfrage zurück gehen und reale Zinssenkungen der Zentralbanken zur Stimulierung der Kreditnachfrage sind kaum noch möglich, es sei denn man muss weitere dramatische, fast schon diktatorische, aus dem Sozialismus bekannte Zwangsmaßnahmen, wie die strikte Bargeldbewirtschaftung bis hin zur Bargeldabschaffung umsetzen, damit Negativzinsen von 2, 3 oder gar 5% eingeführt werden können ohne dass die Wirtschaftssubjekte ausweichen können.

Auf der anderen Seite ist die Verschuldung in der gesamten westlichen Welt und auch in China in den Bereichen Staat, private Wirtschaft und private Haushalte schon so hoch, dass die meisten Schuldner keine weiteren Schulden in der Form verkraften können, dass sie die Zinsen und die notwendige Tilgung für weitere Schulden entrichten können sowie eine ausreichende Bonität vorweisen. Zum anderen finden Investoren kaum noch Möglichkeiten, im produktiven Sektor zu investieren, um eine ausreichende Rendite für Zins, Tilgung und Abschreibung zu erzielen. Daher sieht man auch in den letzten Jahren, dass große Mengen von Kreditgeld in die Immobilienmärkte, Aktien und besonders Anleihemärkte geflossen sind und hier immer neue Rekordpreise erzielt wurden.

Quelle: wohnungsboerse.net

Wenn die Privatwirtschaft keine weitere Verschuldung nachfragt wird das Wirtschaftswachstum sinken und die Wirtschaft könnte sogar schrumpfen. Daher wird dann der Staat ähnlich wie in den Jahren 2009 und 2010 Konjunkturpakete schnüren um Investitionen z.B. in die Infrastruktur (= produktive Maßnahme) oder geförderten Konsum der Privathaushalte wie die sogenannte „Umweltprämie“, bei der funktionstüchtige Autos aus dem Markt genommen wurden
(= Volkswirtschaftliches Vermögen in Form von funktionsfähigen Autos wird vernichtet, um kurzfristig Nachfrage von Autos zu generieren = unproduktiv Maßnahme) zu fördern.

Staatliche Konjunkturpakete sind sicherlich eine Möglichkeit um Kredite nachzufragen, wobei die Verschuldung, gerade in Staaten Südeuropas schon sehr hoch ist, wodurch die weitere Verschuldung auf ihre Grenzen stößt. Zudem hat der europäische Bankensektor einen sehr hohen Anteil fauler Kredite und möchte eigentlich keine neuen Kredite und deren Risiken geben bzw. eingehen.

Wenn nun kein frisches Geld in den Kredit- und Geldkreislauf fließ, ist zu befürchten, dass viele Gläubiger von ihren Schuldnern eine Rückzahlung der Kredite verlangen bzw. viele Gläubiger sind bei anderen Institutionen auch Schuldner und sie müssen ihre Forderung einziehen, damit sie ihren eigenen Verbindlichkeiten nachkommen können. Dies Phänomen sieht man immer wieder in Abschwüngen der Wirtschaft.

In der Folge entsteht eine Kontraktion des Kredit- und Geldmarktes. Zinssenkungen der Zentralbank werden, wie oben beschrieben, keine große Wirkung mehr entfachen können, da die Zinsen sowieso schon fast bei 0% sind (=> Liquiditätsfalle). Zudem würden zu niedrige Preise für das Verleihen von Kapital (=> Zins) zu einer weiteren Fehlallokation von Kapital in unproduktive

Vermögensgegenstände, wie Immobilien und Aktien, führen. Investoren würden neues Kreditgeld für Investitionen z.B. in Immobilien verwenden. Hierbei geht es in erster Linie dann nicht mehr um langfristig Mieterträge zu erhalten, sondern vielmehr dass die Immobilien zumindest ihren Wert halten und dass die Kreditaufnahme durch einen negativen Zinssatz quasi belohnt wird, sodass ein Vermieter in dieser Logik auf Mieterträge verzichten könnte. Dieses Verhalten wird auch nur kurzfristig funktionieren, aber langfristig werden neue Bauvorhaben am Bedarf vorbei, entstehen. Dies sind typische Merkmale von überzogenen Spekulationsblasen, wo keine wirklichen Werte hinter einer Investition stehen. Es wird kein echter „Mehrwert“ geschaffen.

Es wird mindestens zwei Fehlentwicklungen geben. Ersten, das neue Kapital fließt in falsche Vorhaben, weil sie langfristig nicht durch einen wirklichen Wert gedeckt sind und zweitens wird ihre Rendite, weil am Markt vorbei investiert wird, zu niedrig sein um letztlich Zinsen und Tilgung zu erwirtschaften.

Es wird eine spannende Zeit auf die Wirtschaft zukommen. Hier werden weitsichtige unternehmerische sowie strategische Entscheidungen von Nöten sein. Der Deutsch-Ungarische Unternehmerclub sollte hierzu auch Szenarien diskutieren, um für die Zukunft gewappnet zu sein.

Konjunkturumfrage der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer (DUIHK)

Laut Konjunkturumfrage der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer (DUIHK) ist die Stimmung unter den deutschen Investoren im Moment sehr gut. Die meisten ausländische Unternehmen fühlen sich jedoch auch in anderen Mittel- und Osteuropäischen Ländern wohl. Es lohnt sich also genauer hinzuschauen um zu sehen, welche Werte Ungarn hier im Einzelnen erreicht.

In der letzten Umfrage der DUIHK äußerten sich die befragten deutsche und andere ausländische Unternehmen bezüglich Wirtschaftslage und konjunkturelle Erwartungen sehr optimistisch. Doch dies bedeutet nicht, dass Ungarn hier Spitzenreiter ist. Die Wirtschaft boomt in der gesamten Mittel- und Osteuropäischen Raum, dies spiegelt die Stimmung der Investoren wider.

In Ungarn bezeichneten insgesamt 37% der Befragten die Lage der eigenen Volkswirtschaft als gut, 10% hingegen als schlecht. Das ist das beste Ergebnis seit 2005. In Tschechien waren es jedoch 64% der Firmen die die Lage als gut, 4% die diese als schlecht beurteilten. Auch in den Ländern Slowenien, Litauen, Slowakei und Estland war der Saldo an positiven sowie negativen Antworten wesentlich besser als in Ungarn. Damit bleibt die Position Ungarns hier auf Platzt 6. und somit zum Vorjahr unverändert. Bei Erwartungen für das laufende Jahr zeigte sich ein ähnlichen Bild, am optimistischsten waren hier die Slowenen und Kroaten, Ungarn verbesserte sich um drei Positionen auf Rang 6. und damit vor Tschechien, das in dieser Kategorie auf Platz 10 abrutschte. Ungarische Unternehmen zeigen sich jedoch hinsichtlich der Lage und Erwartung des eigenen Geschäftes weniger optimistisch als zur Wirtschaft. Hier belegt Ungarn einen Platz im hinteren Drittel.

Eine Kernfaktor für ausländische Investoren ist seit jeher die Frage der Arbeit. Das Verhältnis Qualifikation und Kosten, die Anzahl der Arbeits- und Fachkräfte. Hier schnitt Ungarn in den vergangenen zwei Jahren sehr gut ab, was die Wettbewerbsfähigkeit stärkte. In letzter Zeit beklagen jedoch Unternehmen eine zunehmende Fachkräftemangel. In der Umfrage 2017 stieg diese Unzufriedenheit dramatisch. Dies ist aber kein Sonderproblem Ungarns, auch andere Länder der Region fehlen immer mehr Fachkräfte. Am schlimmsten ist die Situation in Tschechien, aber auch in der Slowakei, Serbien, Polen und Rumänien hat sich die Lage verschlechtert.

Positiv aus Ungarischer Sicht: die Beurteilung der öffentlichen Verwaltung (Bürokratie) hat sich 2017 merklich verbessert. Damit gehört Ungarn erstmals zu den vier besten Ländern. Ebenfalls leicht verbessern konnte Ungarn seine Position in den Bereichen Steuersystem und Ausbildungsqualität.

Bezüglich Standortqualität sind die Themen Berechenbarkeit, Transparenz, Rechtssicherheit und Korruption nach wie vor sehr wichtig. Dabei sehen die Unternehmen die Lage allen Ländern immer noch sehr kritisch, wobei hier in der Region in den letzten Jahren auch keine Verbesserung gab.

Diese bisher genannten Wahrnehmungen der Investoren zur Wirtschaftslage sowie Standortqualität bezogen sich auf das eigene Land. Die Bewertung der Länder von außen ist ein wenig anders. Die Sieger hier laut AHK-Umfrage: Tschechien, Polen sowie Slowakei. Ungarn bleit hier unverändert auf Platz 9. Seit 2011 hat sich hier die Zusammensetzung der Top 5 nicht geändert.

DUWN – Lohnwunder in Ungarn – Teil IV. Produktivität oder Stagnation

Die entscheidende Frage ist jedoch: Kann Ungarn die Produktivität ebenfalls nachziehen und damit die höheren Gehälter rechtfertigen? Schon einmal gab es zwischen 2001 und 2006 Übertreibungen die das Land in eine schwierige Lage brachten. Auch laut Analysten liegt Ungarn mit den Lohnerhöhungen über dem Niveau, das von der gesamtwirtschaftlichen Produktivität her gerechtfertigt wäre. Daher sollte die Produktivität gesteigert werden. Die nächsten Jahre ist in Ungarn mit weiteren Lohnsteigerungen und mit einem Wirtschaftswachstum über 3% zu rechnen. Danach ergeben sich zwei Szenarien: Die ungarischen Unternehmen modernisieren und steigern durch Investitionen die Produktivität. Diese Dynamik würde sich dann nachhaltig fortsetzten. Dagegen sprechen aber im Moment häufige impulsartige politische Entscheidungen sowie der leistungsschwacher Staatssektor. In einem pessimistischem Scenario wiederholten sich aber die Fehlentwicklungen der letzten Jahre. Der Lohnwunder würde zwar einen Konsumboom verursachen, die Modernisierung der Wirtschaft bliebe jedoch aus. Es würde zu langfristigen Verwerfungen in der Leistungsbilanz kommen, mit Folgen einer wirtschaftlichen Stagnation. Die Löhne müssen also langfristig mit der Produktivität übereinstimmen.