DUWN – Ende des aktuellen Kreditzyklus- was passiert dann?

DUWN – von Christoph Hermesmeier und Balázs Türk mit „Futter für Gedanken“

Der Autor und Wirtschaftsberater Daniel Stelter, auch bekannt durch das Buch die „Eiszeit in der Weltwirtschaft“ (ISBN-10: 3593505142) oder durch die regelmäßigen Kolumnen „stelter-strategisch“ in der Wirtschaftswoche und auf der Website https://think-beyondtheobvious.com/ schreibt in der aktuellen Kolumne in der Wirtschaftswoche, dass der aktuelle Kreditzyklus langsam zum Ende kommen könnte (http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/stelter-strategisch-ein-letztes-hurra-zumende-des-bullenmarktes/20194370.html).

Er sieht grundsätzliche Zinserhöhung in den USA sowie Maßnahmen der EZB, die den Kauf von Staatsanleihen einschränkt, als Kontraktion. Auch im Hinblick auf China, mittlerweile ein wesentlicher Akteur der Weltwirtschaft, gibt es eine Entwicklung in der das Kreditwachstum sich deutlich verlangsamt.

Unser derzeitiges kapitalistisches Wirtschaftssystem basiert auf dem Schuld- oder Kreditgeld, welches durch keine Werte (z.B. Gold, wie beim sog. Warengeld) gedeckt ist. Nur durch den Zinssatz und die Erzeugung von neuen Schulden durch die Zentral- und Geschäftsbanken wird die Schuldgeldmenge gesteuert (=> Geldschöpfung).

Das heißt, dass die Wirtschaft nur wachsen kann, wenn die Geldmenge steigt. Die Geldmenge in einem Kreditgeldsystem kann aber nur wachsen, wenn die Verschuldung weiter steigt. Aus der Vergangenheit kennt man, dass es immer Kreditzyklen gab, die einen Boom entfacht haben und zum Schluss zum Erliegen kamen, worauf eine Rezession entstand.

Aktuell leben wir in einem besonderen Kreditboom, der auf einer Nullzinspolitik aller wesentlichen Zentralbanken (USA, Eurozone, Japan, Großbritannien sowie der Schweiz) basiert. Das untypische an dem aktuellen Kreditboom ist, dass er in der Realwirtschaft nicht angekommen ist. Das heißt die Investitionsaktivität der Wirtschaft konnte trotz Nullzinspolitik nicht signifikant gesteigert werden. Vielmehr ist dieser Kreditboom in die unproduktiven Sektoren wie Immobilien und Kapitalmärkte (Firmenübernahmen wie Monsanto durch Bayer) geflossen, wo die Preise für Vermögenswerte gestiegen sind. Es wurden aber kaum neue Kapazitäten z.B. in der Industrie geschaffen, wodurch Wertschöpfung und Wohlstand entstehen kann. Durch die Preissteigerungen bei den Vermögenswerten hat es einen Vermögenseffekt gegeben, der zunächst erst mal eine weitere Zunahme der Schuldung zulässt, da auch die Beleihungswerte mit gestiegen sind.

Weiterhin ist die weltweite Verschuldung seit der letzten Finanzkrise in den Jahren 2008 signifikant gestiegen. Siehe dazu auch die beigefügte Grafik.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Auf der einen Seite wird die Kreditnachfrage zurück gehen und reale Zinssenkungen der Zentralbanken zur Stimulierung der Kreditnachfrage sind kaum noch möglich, es sei denn man muss weitere dramatische, fast schon diktatorische, aus dem Sozialismus bekannte Zwangsmaßnahmen, wie die strikte Bargeldbewirtschaftung bis hin zur Bargeldabschaffung umsetzen, damit Negativzinsen von 2, 3 oder gar 5% eingeführt werden können ohne dass die Wirtschaftssubjekte ausweichen können.

Auf der anderen Seite ist die Verschuldung in der gesamten westlichen Welt und auch in China in den Bereichen Staat, private Wirtschaft und private Haushalte schon so hoch, dass die meisten Schuldner keine weiteren Schulden in der Form verkraften können, dass sie die Zinsen und die notwendige Tilgung für weitere Schulden entrichten können sowie eine ausreichende Bonität vorweisen. Zum anderen finden Investoren kaum noch Möglichkeiten, im produktiven Sektor zu investieren, um eine ausreichende Rendite für Zins, Tilgung und Abschreibung zu erzielen. Daher sieht man auch in den letzten Jahren, dass große Mengen von Kreditgeld in die Immobilienmärkte, Aktien und besonders Anleihemärkte geflossen sind und hier immer neue Rekordpreise erzielt wurden.

Quelle: wohnungsboerse.net

Wenn die Privatwirtschaft keine weitere Verschuldung nachfragt wird das Wirtschaftswachstum sinken und die Wirtschaft könnte sogar schrumpfen. Daher wird dann der Staat ähnlich wie in den Jahren 2009 und 2010 Konjunkturpakete schnüren um Investitionen z.B. in die Infrastruktur (= produktive Maßnahme) oder geförderten Konsum der Privathaushalte wie die sogenannte „Umweltprämie“, bei der funktionstüchtige Autos aus dem Markt genommen wurden
(= Volkswirtschaftliches Vermögen in Form von funktionsfähigen Autos wird vernichtet, um kurzfristig Nachfrage von Autos zu generieren = unproduktiv Maßnahme) zu fördern.

Staatliche Konjunkturpakete sind sicherlich eine Möglichkeit um Kredite nachzufragen, wobei die Verschuldung, gerade in Staaten Südeuropas schon sehr hoch ist, wodurch die weitere Verschuldung auf ihre Grenzen stößt. Zudem hat der europäische Bankensektor einen sehr hohen Anteil fauler Kredite und möchte eigentlich keine neuen Kredite und deren Risiken geben bzw. eingehen.

Wenn nun kein frisches Geld in den Kredit- und Geldkreislauf fließ, ist zu befürchten, dass viele Gläubiger von ihren Schuldnern eine Rückzahlung der Kredite verlangen bzw. viele Gläubiger sind bei anderen Institutionen auch Schuldner und sie müssen ihre Forderung einziehen, damit sie ihren eigenen Verbindlichkeiten nachkommen können. Dies Phänomen sieht man immer wieder in Abschwüngen der Wirtschaft.

In der Folge entsteht eine Kontraktion des Kredit- und Geldmarktes. Zinssenkungen der Zentralbank werden, wie oben beschrieben, keine große Wirkung mehr entfachen können, da die Zinsen sowieso schon fast bei 0% sind (=> Liquiditätsfalle). Zudem würden zu niedrige Preise für das Verleihen von Kapital (=> Zins) zu einer weiteren Fehlallokation von Kapital in unproduktive

Vermögensgegenstände, wie Immobilien und Aktien, führen. Investoren würden neues Kreditgeld für Investitionen z.B. in Immobilien verwenden. Hierbei geht es in erster Linie dann nicht mehr um langfristig Mieterträge zu erhalten, sondern vielmehr dass die Immobilien zumindest ihren Wert halten und dass die Kreditaufnahme durch einen negativen Zinssatz quasi belohnt wird, sodass ein Vermieter in dieser Logik auf Mieterträge verzichten könnte. Dieses Verhalten wird auch nur kurzfristig funktionieren, aber langfristig werden neue Bauvorhaben am Bedarf vorbei, entstehen. Dies sind typische Merkmale von überzogenen Spekulationsblasen, wo keine wirklichen Werte hinter einer Investition stehen. Es wird kein echter „Mehrwert“ geschaffen.

Es wird mindestens zwei Fehlentwicklungen geben. Ersten, das neue Kapital fließt in falsche Vorhaben, weil sie langfristig nicht durch einen wirklichen Wert gedeckt sind und zweitens wird ihre Rendite, weil am Markt vorbei investiert wird, zu niedrig sein um letztlich Zinsen und Tilgung zu erwirtschaften.

Es wird eine spannende Zeit auf die Wirtschaft zukommen. Hier werden weitsichtige unternehmerische sowie strategische Entscheidungen von Nöten sein. Der Deutsch-Ungarische Unternehmerclub sollte hierzu auch Szenarien diskutieren, um für die Zukunft gewappnet zu sein.

Konjunkturumfrage der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer (DUIHK)

Laut Konjunkturumfrage der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer (DUIHK) ist die Stimmung unter den deutschen Investoren im Moment sehr gut. Die meisten ausländische Unternehmen fühlen sich jedoch auch in anderen Mittel- und Osteuropäischen Ländern wohl. Es lohnt sich also genauer hinzuschauen um zu sehen, welche Werte Ungarn hier im Einzelnen erreicht.

In der letzten Umfrage der DUIHK äußerten sich die befragten deutsche und andere ausländische Unternehmen bezüglich Wirtschaftslage und konjunkturelle Erwartungen sehr optimistisch. Doch dies bedeutet nicht, dass Ungarn hier Spitzenreiter ist. Die Wirtschaft boomt in der gesamten Mittel- und Osteuropäischen Raum, dies spiegelt die Stimmung der Investoren wider.

In Ungarn bezeichneten insgesamt 37% der Befragten die Lage der eigenen Volkswirtschaft als gut, 10% hingegen als schlecht. Das ist das beste Ergebnis seit 2005. In Tschechien waren es jedoch 64% der Firmen die die Lage als gut, 4% die diese als schlecht beurteilten. Auch in den Ländern Slowenien, Litauen, Slowakei und Estland war der Saldo an positiven sowie negativen Antworten wesentlich besser als in Ungarn. Damit bleibt die Position Ungarns hier auf Platzt 6. und somit zum Vorjahr unverändert. Bei Erwartungen für das laufende Jahr zeigte sich ein ähnlichen Bild, am optimistischsten waren hier die Slowenen und Kroaten, Ungarn verbesserte sich um drei Positionen auf Rang 6. und damit vor Tschechien, das in dieser Kategorie auf Platz 10 abrutschte. Ungarische Unternehmen zeigen sich jedoch hinsichtlich der Lage und Erwartung des eigenen Geschäftes weniger optimistisch als zur Wirtschaft. Hier belegt Ungarn einen Platz im hinteren Drittel.

Eine Kernfaktor für ausländische Investoren ist seit jeher die Frage der Arbeit. Das Verhältnis Qualifikation und Kosten, die Anzahl der Arbeits- und Fachkräfte. Hier schnitt Ungarn in den vergangenen zwei Jahren sehr gut ab, was die Wettbewerbsfähigkeit stärkte. In letzter Zeit beklagen jedoch Unternehmen eine zunehmende Fachkräftemangel. In der Umfrage 2017 stieg diese Unzufriedenheit dramatisch. Dies ist aber kein Sonderproblem Ungarns, auch andere Länder der Region fehlen immer mehr Fachkräfte. Am schlimmsten ist die Situation in Tschechien, aber auch in der Slowakei, Serbien, Polen und Rumänien hat sich die Lage verschlechtert.

Positiv aus Ungarischer Sicht: die Beurteilung der öffentlichen Verwaltung (Bürokratie) hat sich 2017 merklich verbessert. Damit gehört Ungarn erstmals zu den vier besten Ländern. Ebenfalls leicht verbessern konnte Ungarn seine Position in den Bereichen Steuersystem und Ausbildungsqualität.

Bezüglich Standortqualität sind die Themen Berechenbarkeit, Transparenz, Rechtssicherheit und Korruption nach wie vor sehr wichtig. Dabei sehen die Unternehmen die Lage allen Ländern immer noch sehr kritisch, wobei hier in der Region in den letzten Jahren auch keine Verbesserung gab.

Diese bisher genannten Wahrnehmungen der Investoren zur Wirtschaftslage sowie Standortqualität bezogen sich auf das eigene Land. Die Bewertung der Länder von außen ist ein wenig anders. Die Sieger hier laut AHK-Umfrage: Tschechien, Polen sowie Slowakei. Ungarn bleit hier unverändert auf Platz 9. Seit 2011 hat sich hier die Zusammensetzung der Top 5 nicht geändert.

Deutschland – Bankgeheimnis zu Finanzbehörden abgeschafft

Zum 25.06.2017 wurde durch das Steuerumgehungbekämpfungsgesetz  § 30a der Abgabeordnung (AO) ersatzlos gestrichen.

Durch die Vorschrift war bis zum 25.06.2017 sichergestellt, dass die Finanzbehörden verpflichtet waren, besondere Rücksicht auf das Vertrauensverhältnis zwischen den Kreditinstituten und ihren Kunden zu nehmen.

So durften die Finanzbehörden von den Kreditinstituten zum Zwecke der Überwachung die einmalige oder periodische Mitteilung von Konten nicht verlangen. Auch in Vordrucken für Steuererklärungen sollte die Angabe der Kontonummern nicht verlangt werden. Auskunftsersuchen der Finanzämter an Kreditinstitute waren zwar ausdrücklich zugelassen, jedoch nur mit der Maßgabe, dass zuvor eine Ermittlung beim Steuerpflichtigen selbst nicht erfolgreich war. Erst danach durften sich Finanzämter direkt an die Kreditinstitute wenden, um dort Kontenstände sowie Zahlungs- und Zinseingänge zu erfragen.

Die Streichung der Vorschrift hat zur Folge, dass die Finanzbehörden ab sofort sogenannte Sammelauskunftsersuchen (§ 93 Abs. 1a AO neue Fassung) stellen können und zwar ohne vorher eine entsprechende Anfrage an den Steuerpflichtigen gerichtet zu haben.

Auf dem Portal buzer.de (Link) ist eine Gegenüberstellung der Gesetzestext der alten und neunen Fassung.

Botschafter Dr. Péter Györkös in Paderborn – Paderborn und Debrecen feiern 25 jährigen Städtefreundschaft

Am 25. Juni 2017 besuchte der ungarische Botschafter Dr. Péter Györkös die Feierlichkeiten des 25. Jubiläums des Deutsch-Ungarischen Freundeskreises in Paderborn. Der Botschafter stellte in seiner Rede die besonderen Beziehungen zwischen Ungarn und Deutschland heraus, insbesondere das Ungarn den ersten Stein aus der Berliner Mauer „rausgehauen“ hat. In diesem Zusammenhang überreichte der ungarische Botschafter dem Bürgermeister von Paderborn, Herrn Michael Dreier, eine diplomatische Note als Geschenk. Die diplomatische Note aus dem 1989 kann als historisch bezeichnet werden, da Ungarn in diesem Dokument seine Grenzöffnungen innerhalb von 3 Tagen der DDR mitteilt. Dr. Péter Györkös war als junger Diplomat an der Erstellung dieser Note beteiligt.

 

In einem kurzen persönlichen Gespräch konnte der Vorstand DUUC dem Botschafter auch die Initiative von kleinen und mittelständischen Unternehmern aus Deutschland und Ungarn, die sich in unserem Deutsch-Ungarischen Unternehmerclub (DUUC) zusammengeschlossen haben, vorstellen.

DUWN – Lohnwunder in Ungarn – Teil IV. Produktivität oder Stagnation

Die entscheidende Frage ist jedoch: Kann Ungarn die Produktivität ebenfalls nachziehen und damit die höheren Gehälter rechtfertigen? Schon einmal gab es zwischen 2001 und 2006 Übertreibungen die das Land in eine schwierige Lage brachten. Auch laut Analysten liegt Ungarn mit den Lohnerhöhungen über dem Niveau, das von der gesamtwirtschaftlichen Produktivität her gerechtfertigt wäre. Daher sollte die Produktivität gesteigert werden. Die nächsten Jahre ist in Ungarn mit weiteren Lohnsteigerungen und mit einem Wirtschaftswachstum über 3% zu rechnen. Danach ergeben sich zwei Szenarien: Die ungarischen Unternehmen modernisieren und steigern durch Investitionen die Produktivität. Diese Dynamik würde sich dann nachhaltig fortsetzten. Dagegen sprechen aber im Moment häufige impulsartige politische Entscheidungen sowie der leistungsschwacher Staatssektor. In einem pessimistischem Scenario wiederholten sich aber die Fehlentwicklungen der letzten Jahre. Der Lohnwunder würde zwar einen Konsumboom verursachen, die Modernisierung der Wirtschaft bliebe jedoch aus. Es würde zu langfristigen Verwerfungen in der Leistungsbilanz kommen, mit Folgen einer wirtschaftlichen Stagnation. Die Löhne müssen also langfristig mit der Produktivität übereinstimmen.

Zwei ungarische Trophy-Preise auf einer der größten Weinwettbewerben der Welt

Zwei ungarische Weine, der 2015-er Prémium Juhfarka und der 2013-er Grand Tokaj des Somló-er Tornai Weinkellers gewannen dieses Jahr die höchste Auszeichnung, den Trophy-Preis bei der Londoner  International Wine Challange (IWC). Der Tornai Weinkeller erreichte damit auch im internationalem Vergleich ein sehr seltenes Ergebnis, denn er gewannt bereits zum dritten Mal den Trophy-Preis hintereinander.

Drei Gremien bewerten in mehreren Etappen Weine, bestehend aus mindestens zehn Juri-Mitgliedern.
Auf der IWC werden jährlich mehr als 15 Tausend Weine bewertet, lediglich 500 erhalten die Gold-Medaille und nur ein Wein pro Kategorie den Trophy-Preis. Diese Weine sind auch unter den Besten Weinen herausragend, denn sie werden durch erneute Verkostung der Gold Gewinner auserwählt; es kommt also sehr selten vor, das ein Wein mehrere Male nacheinander eine Trophy erhält.
Die ungarischen Weinhersteller erhielten auf der IWC insgesamt 8 Mal Gold, 11 Mal Silber und 11 Mal Bronze, weitere 15 Weine erhielten Anerkennungsurkunden.

DUWN – Lohnwunder in Ungarn – Teil III. Folgen für Unternehmen

Was für Arbeitnehmer willkommen ist, bereitet den Unternehmen große Probleme. Vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen stehen unter Druck, da sie nicht wissen wie sie mit der 10% Lohnkostenerhöhung zurecht kommen sollen. Die Regierung hat zwar die Sozialabgaben mit 7,5 Prozentpunkte gesenkt, diese Entlastungen kompensieren aber nur einen Drittel der Lohnsteigerungen. Vor allem in der Niedriglohn-Branche ist dadurch der Abbau von Arbeitsplätzen zu erwarten. Exportorientierte Unternehmen werden hingegen ihre Gewinnmargen senken müssen, da sie die Preise im internationalen Geschäft nicht erhöhen können. Kleinunternehmen könnten durch diesen Lohndruck in der Praxis einen Teil der Löhne einfach schwarz auszahlen.

DUWN – Lohnwunder in Ungarn – Teil II. Arbeitskräfteknappheit

Seit einiger Zeit herrscht in Ungarn ein Mangel an Arbeitskräften. Unternehmen müssen somit höhere Löhne bieten um an geeignetes Personal zu kommen. Bereits im Jahr 2016 stiegen dadurch die Durchschnittslöhne real um 6% und das ohne Einwirkung seitens der Politik. Der Arbeitskräftemangel ist also durchaus real. Unternehmen nennen diesen bereits als eines der wichtigsten Faktore warum sie ihre Geschäftstätigkeit nicht ausweiten können (neben hohe Lohnnebenkosten). Das Thema Fachkräftemangel ist in nahezu allen Ländern des Ostens allgegenwertig. Besonders in den Visegrad-Ländern hat sich die Arbeitslosigkeit in der jüngeren Vergangenheit erheblich verringert (Polen 4,8%, Tschechien 3,2%, Ungarn 4,3%).

Informationsveranstaltung am 07.04.2017 zum Thema Neuregelung von Werkverträgen

Am 07.04.2017 fand in der Botschaft von Ungarn in Berlin eine Veranstaltung über die Rahmenbedingungen der Entsendung ungarischer Arbeitnehmer nach Deutschland statt. Auf der Veranstaltung sollte ein einheitlicher Standpunkt hinsichtlich der Regulierung von Arbeitnehmerentsendungen, des Werkvertrags als rechtlichem Rahmen sowie der neuen, ab dem 01.04.2017 geltenden gesetzlichen Vorschriften zur Neuregulierung der Arbeitnehmerüberlassungen erarbeitet werden. Teilnehmer waren deutsche sowie ungarische klein-und mittelständische Unternehmer, die im Rahmen von Werkverträgen oder Arbeitnehmerüberlassungen aus Ungarn entsandte Arbeitnehmer in Deutschland beschäftigen.

Vortragende waren Herr Dr. Zoltán Kiss, Abteilungsleiter im ungarischen Ministerium für Nationale Wirtschaft, Herr Siegfried H. Leister, Eigentümer der Firma Leister & Leister Versicherungsmakler, Herr. Prof. Dr. Hansjürgen Tuengerthal, Rechtsanwalt, Leiter der Kanzlei Prof. Dr. Hansjürgen Tuengerthal u. Kollegen, Herr Dr. Michael Fröschl, Rechtsanwalt, Vorstandsmitglied der Deutsch-Ungarischen Juristenvereinigung sowie Herr Péter Mervai, Vertreter des ungarischen Landesverbandes der Bauunternehmer in Deutschland.

Im Anschluss an die Expertenvorträge zum Thema hatten die Vertreter von etwa fünfzig Unternehmen Gelegenheit, in einer Fragestunde und im persönlichen Gespräch weitere relevante Informationen zu den Rahmenbedingungen ihrer Tätigkeit zu erhalten.

Mitveranstalter des Forums war die Firma Leister & Leister Versicherungsmakler, die seit nahezu einem halben Jahrhundert in Deutschland tätig ungarische Unternehmen in versicherungstechnischen Angelegenheiten berät und unterstützt.

DUWN – Lohnwunder in Ungarn – Teil I. Lohnerhöhungen

Die Arbeitskräfteknappheit sowie politische Vorgaben führten in Ungarn in der jüngster Zeit zu starken Lohnerhöhungen. Durchschnittlich 12,8% mehr verdienten die Ungarn in März 2017 verglichen zum Vorjahr. Dies bedeutet eine reale Erhöhung von rund 10% bei der derzeitigen Inflation von 2%. Ein gutes Zeichen in Ungarn, liegt doch der Durchschnittslohn immer noch bei niedrigen 310.000 Forint (ca. 1050 Euro). Eine große Rolle hierbei spielten vor allem die Erhöhungen des Mindestlohns um 15% sowie des garantierten Mindestlohns um 25%, sowie die Lohnanpassungen im öffentlichen und staatlichem Sektor. Das Lohnwachstum ist somit in Ungarn noch signifikanter als in den anderen Visegrad-Staaten (Slowakei, Tschechien und Polen), die ebenfalls gute Wirschaftsergebnisse erzielten.